Das Diamantenmädchen

Das DiamantenmädchenDas Diamantenmädchen by Ewald Arenz
My rating: 5 of 5 stars

Das Diamantenmädchen ist mein zweites Buch aus dem Genre ‚Kriminalroman‘ und wieder konnte ich feststellen, dass es bei Büchern aus dieser Rubrik keineswegs nur um ’stupides Jagen des Opfers‘ gehen muss. Schon das Titelbild stimmt in der Motivauswahl und dem matten Fotodruck auf die Ära der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ein. Ein Eindruck, der sich durch die aufmerksame Wahl bei der Schreibweise der Worte noch verstärkt – als Beispiel das Telephon.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang mit einem Interview, bei dem auch die Reporterin Lilli Kornfeld anwesend ist, einem Auftrag unter der Hand ’schwarze‘ Diamanten zu schleifen und dem Auffinden eines ermordeten Schwarzen auf dem Balkon eines renommierten Hotels am Nollendorfer Platz.

Bis dahin scheint es sich noch um ein in der Großstadt Berlin recht ‚alltägliches‘ Verbrechen zu handeln und erst langsam fördern die beiden Komissare Schambacher und Togotzes die Zusammenhänge und auch die Verwicklungen um den Diamantenschleifer Paul van der Laan zu Tage.

Für mich ist es das erste Buch von Ewald Arenz und ich bin besonders angetan von der spürbar ausführlichen Recherche, die der Autor über das Berlin der 20er Jahre betrieben hat. Es wird neben der hauptsächlichen Geschichte rund um den Mord und die Diamantenaffäre auch viel interessantes Wissen über die Entwicklungen der Technologie und der Kriminalwissenschaft vermittelt, die eben auch in dieser Zeit ihre ersten Anfänge genommen hat. Das und auch die greifbare Mentalität jener Zeit so kurz nach dem 1. Weltkrieg geben einem beim Lesen das ganz eigene Gefühl von Lebendigkeit der Geschehnisse. Nicht selten hat man geradezu das Gefühl mit bei den Gesprächen am Tisch zu sitzen und Neues von dem Erzählenden zu erfahren. Auch über die Rückblicke in die Jugend von Paul, Lilli und ihrem Bruder Wilhelm werden einem gerade diese Drei mit der Zeit immer vertrauter.

Zweifellos ist der eigentliche Mord sehr spannend geschrieben und auch wenn ich schon sehr bald erste Vermutungen über den Hergang angestellt habe, kamen doch gegen Ende der Geschichte wieder Zweifel bei mir auf, ob ich mit meinen Überlegungen nicht völlig daneben gelegen habe. Hier hat mir auch gut gefallen, dass der Mörder nicht einfach nur nach dem so oft verfolgten ‚Schwarz-Weiß-Schema‘ gezeichnet wurde – sondern eben auch nachvollziehbare Handlungsgründe hat, nämlich sich verraten zu fühlen.

Was natürlich keine Rechtfertigung für die Tat eines Mordes sein kann, aber eben auch aufzeigt, zu welchen Taten ein Mensch sich getrieben fühlen kann. Gerade dieser Gedanke hat mich beschäftigt. Wäre es zu dem Mord nicht gekommen, wenn der Täter und Lilli sich früher begegnet wären und miteinander gesprochen hätten? Um nur einen meiner Gedanken zu nennen. Mehr würde zuviel über den Hergang der Geschichte erzählen.

Mein Fazit ist, dass es eine sehr intensive Erzählung ist – sowohl von den Empfindungen jener Zeit als auch der Zusammenhänge der Handlungsgründe und nicht zuletzt auch der Spannung – und ich auch zum Nachdenken über die Geschehnisse einer Zeit angeregt wurde, die immerhin jetzt schon fast 100 Jahre her ist. Ich könnte mir gut denken, dass beim nächsten Lesen ganz neue Aspekte entdeckt werden.

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