64 Felder als Kriegsschauplatz

Der Turm der KönigeDer Turm der Könige by Nerea Riesco
My rating: 3 of 5 stars

Ein Erdbeben in Sevilla führt in den Beginn dieser Erzählung und zu Julia, der Witwe des Druckermeisters de Haro. Eine für das Sevilla um das Jahr 1748 sehr eigenwillige Frau, die sich auch mit Unterstützung ihrer schwarzen Dienerin Mama Lulita daran macht, die Druckerei eigenhändig weiter zu leiten anstatt entsprechend der damaligen stillschweigenden Sitten den Druckermeister zu heiraten und ihm das Geschäft zu überlassen. Stattdessen heiratet sie im Laufe der Zeit den als Piraten verschrieenen Leon de Montenegro und bekommt dann auch einen Sohn – Abel.

Nach einigen Wirren nimmt nun die eigentliche Geschichte ihren Anfang in der Zeit der Kreuzzüge 500 Jahre zuvor. Die Christen erobern die Stadt von den Muslimen und schließen einen Pakt um die Zukunft der Giralda – das Minarett der Hauptmoschee von Sevilla: Welcher der Herrscher als erster drei Schachpartien gewinnt, soll über das Schicksal der Giralda bestimmen.
Entweder soll es niedergerissen werden nach dem Willen der Moslems oder wegen seiner Schönheit weiterbestehen nach dem Wunsch der Christen.

Durch die Wirren der Zeit ziehen sich die Kämpfe auf dem Brett der Könige über die Jahrhunderte hin und im Laufe dieser Zeit gehen auch die Aufzeichnungen der Vereinbarungen zu den Schachspielen verloren – zusammen mit den verbürgten Siegen der jeweiligen Herrschern.

Hier kommt dann die Familie de Montenegro in’s Spiel. Die über die alten Vereinbarung, der jeweils beste Spieler soll den Kampf bestreiten, in diesem seit Generationen bestehenden Wettstreit verpflichtet ist. Wenn es denn gelingt, die Spielregeln und den Nachweis wieder zu finden, wieviele Siege bereits gewonnen wurden. Und vom wem.

Eine reizvolle Idee für eine Suche, die sich über drei Generationen der Familie hinzieht.

Leider kommt zu häufig das Gefühl auf, dass sich alles nur um das Schachspiel und die damit verbundene Wette dreht. Andere bedeutende Geschehnisse – wie ein mehrfacher Mord – wecken oft den Eindruck, nur nebenher erwähnt zu werden und samt der dabei aufkommenden Fragen unbeachtet liegengelassen zu werden. Auch werden die Beteiligten, die nicht direkt mit der Suche betraut sind, oft zu Nebenfiguren degradiert, deren Leben und Handlungsgründe mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Damit will ich nicht sagen, dass keine Motive erkennbar sind. Aber viel bleibt eben doch ohne Feuer nur angedeutet und muss selber mit dem Gefühl einer Unsicherheit zusammengereimt werden. Eine größere Detailliebe für die Familie, die Angestellten der Druckerei und auch die Gegenspieler an dieser Stelle hätte der sonst sehr aufmerksam erzählten Geschichte eine tiefergehende Lebendigkeit verliehen.

Fazit:
Ich bin lange zwischen zwei und drei Sternen am Wechseln gewesen. Zu guter Letzt habe ich mich für drei Sterne entschieden. Weil es der Autorin sehr gut gelungen ist, mit einigen überraschenden Eröffnungen am Ende ihrer Geschichte die ganzen offenen Fragen zu beantworten und eine völlige unerwartete Lösung dafür zeigt. Wenn man so will, ein sehr geschickter Schachzug von ihr 😉


Apropos Schachzug: Kenntnisse in dem Spiel der Könige sind beim Lesen sehr von Vorteil. Oder ein gutes Schachbuch in Reichweite, um die Bedeutung der einzeln gezeigten Partien bei Interesse nachsehen zu können.

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