Die weiße Feder

„Fast zwei Jahre lang hatte Billy sich anhören müssen, daß gesunde junge Männer wie er Feiglinge seien, wenn sie nicht kämpften. So stand es in den Zeitungen; die Leute in den Läden und in den Kneipen sagten es; Rekrutierungssergeanten verhöhnten auf der Straße junge Zivilisten, und im Stadtzentrum von Cardiff reichten hübsche junge Mädchen jedem jungen Mann, der keine Uniform trug, eine weiße Feder als Zeichen, daß sie ihn der Feigheit verdächtigten. Billy wußte, daß es Propaganda war, aber es setzte ihm dennoch zu. Er hätte es nicht ertragen können, für einen Feigling gehalten zu werden.“

(c) Sturz der Titanen, Ken Follett, Bastei Lübbe Verlag

Dass ist der Moment, wo ich Billy am Liebsten nur schütteln möchte. Und fragen, ob er noch alle seine Sinne beisammen hat.
Lieber lässt er sich für den aussichtslosen 1. Weltkrieg rekrutieren, bevor ihn jemand für einen Feigling hält.

17 Millionen Menschen sind in den vier Jahren gestorben.
Aber daß ist nicht wichtig. Wichtiger ist die Meinung der Menschen. Von Menschen, die einen nicht kennen und nichts über einen wissen.

Der Waliser Wilhelm (Billy) ist sonst kein dummer Junge und hinterfragt die Geschehnisse um ihn herum durchaus. Aber rekrutieren lässt er sich trotzdem.

Wieviele Männer haben sich wohl im 1. und im 2. Weltkrieg (oder in einem x-beliebigen anderen Krieg) einziehen lassen, nur um nicht in einem schlechten Licht dazustehen. Um nicht für feige gehalten zu werden.

Es ist schwer vorstellbar, was für einen großen Einfluß die Meinung anderer, oft völlig wildfremder Menschen auf den/die Einzelnen haben kann. Lieber wird hier der sehr wahrscheinliche Tod in Kauf genommen, ehe eine Meinung hingenommen wird, die für einen Mann nicht tragbar ist.

Und ich könnte nicht mal sagen, daß das nur in einem teils fiktiven Roman geschieht, der immerhin schon bald 100 Jahre in der Zeit zurückliegt.

Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg

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