Mittelalterliche Ermittlungen – in zweifacher Hinsicht

„Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“
Georg Christoph Lichtenberg

Wie sinnvoll ist es, ein Buch zu beschreiben, dass einen nicht wirklich überzeugt hat?

Eine Empfehlung wird nicht ausgesprochen und einen Verriß schreiben ist nicht so einfach. Einmal ist es Ansichtssache und ich bin inzwischen auch schon öfter auf die (durchaus vertretbare) Meinung gestoßen, dass nur über Bücher geschrieben wird, die für gut befunden wurden.
Auf der anderen Seite bin ich inzwischen auch schon des öfteren an Büchern hängengeblieben, über deren Kauf ich mich im Nachhinein geärgert habe. Nicht zuletzt auch wegen dem Geld. Für das ich mir doch lieber ein Buch gekauft hätte, dass mir die erhofften angenehmen Lesestunden gebracht hätte.

Also werde ich – zumindest bis auf Weiteres – auch über Bücher schreiben, die mich nicht überzeugen konnten.

Die HurenköniginDie Hurenkönigin by Ursula Neeb
Flexibler Einband, 400 Seiten
Erschienen 14. September 2012 beim Ullstein Verlag
My rating: 1 of 5 stars

Die Leiterin des Frankfurter Hurenhauses anno 1511 – allgemein als die Hurenkönigin bezeichnet – ermittelt auf eigene Faust über die Morde der ihr anvertrauten Hübschlerinnen. Von der Stadtverwaltung bekommt die Frauenhauswirtin Ursel Zimmer dabei wenig Unterstützung. Was allerdings auch niemanden verwundern dürfte, da die Huren der damaligen Zeit zu den Unehrlichen gehörten und gerade mal in den Stadtmauern als geduldet anzusehen waren.

Im Ansatz werden auch die Vergangenheiten der einzelnen Beteiligten umrissen. Leider nur nicht ausführlich genug, um den wünschenswerten Tiefgang zu erreichen. Das unbestimmte Gefühl, gerade einmal an der Oberfläche der Ursel Zimmer und später auch des Mörders zu kratzen, taucht hartnäckig immer wieder auf. Dabei gäbe es dazu bestimmt noch viel mehr zu erzählen. Das Leben einer Hübschlerin war ja – wie auch in der Erzählung mehrmals angedeutet – nicht frei von einigen Höhen und Tiefen.

Zum Ablauf des Romans ist schwer etwas zu sagen, ohne die Hintergründe aufzudecken.
Der Verlauf der Morde und die Gründe dazu sind nicht völlig von der Hand zu weisen. Trotzdem – als ein mittelalterlicher Krimi überzeugt mich ‚Die Hurenkönigin nicht. Die Handlungsweise gerade der Hauptprotagonistin ist zu ‚modern‘. Nicht einmal scheint ihr auch nur im Ansatz der Gedanke zu kommen, daß der Bürgermeister sie wie jede andere Frau ihres Gewerbes jederzeit vor die Tore der Stadt setzen kann – wozu es dann ja auch letztendlich fast kommt.
Im Gegenteil geht Ursel Zimmer die Stadtoberen in einer herausfordernden Art und Weise an, die für eine Zeit, in der Frauen schon von vornherein wenig Eigenverantwortlichkeit besaßen, wenig Glaubwürdigkeit besitzt.

Wäre die ganze Handlung beispielsweise in das 19. Jahrhundert verlegt worden, hätte sie wohl eher überzeugen können.

„Die Vorsteherin der Hurengilde, die auch mit über fünfzig Jahren noch eine schöne Frau war, legte mütterlich den Arm um Rosi.“

Diese Beschreibung über das Aussehen der Frauenhauswirtin tritt ziemlich zu Anfang des Buches auf und ist auch einer der Gründe, weswegen mich der Roman nicht wirklich überzeugen konnte.
Sicher gab es auch in der Zeit um 1500 Frauen, die im vergleichsweise hohen Alter ihr gutes Aussehen erhalten hatten. Aber dass es einer Frau gelungen sein soll, die eine lange Zeit in dem ‚Beruf‘ einer Hübschlerin tätig war und – wie im Lauf der Geschichte auch offenbar wird – eine lange Zeit der Drogensucht hinter sich hat, erscheint mir nicht überzeugend.

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4 Kommentare zu „Mittelalterliche Ermittlungen – in zweifacher Hinsicht

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