Gute Worte sind schwer zu finden

So vieles hätte man über Philippine Welser schreiben können.

Allein ihr Wissen war für die damalige Zeit – 1527 bis 1580 – sehr umfangreich. Sie kannte die lateinische Sprache, verfügte über ein großes Kräuterwissen, stellte selber Heilmittel aus diesem Wissen her und führte das Kochbuch und das Rezeptbuch über die medizinischen und pharmakologischen Erkenntnisse ihrer Mutter fort. Oder verfaßte beide selber, hier scheiden sich die Geister.

Quelle: http://www.tirolerportraits.it/de/Portraits-suchen.aspx

Und dennoch wirkt sie in dem Kriminalroman ‚Die schöne Philippine Welserin‘ kaum als mehr als ein Leben im Schatten des Erzherzogs Ferdinannd.
Nicht, dass man von ihm wesentlich mehr erfahren würde. Gerade einmal, dass er der Lieblingssohn seines Vaters ist und der Thronfolger. Keine Vorlieben, keine Abneigungen, keine wesentlichen Hintergründe.

Genauso bleibt es auch bei der Familie Philippine’s.
Wer ist Onkel Bartholome? Was bewegt ihn?
Was ist mit ihrer Mutter? Neben ihrem Wissen um Heilkräuter und dass sie von ihrem Mann verlassen wurde?
Was hat es mit ihren Geschwistern und ihrer Tante Kat auf sich?

Alles wichtige Menschen in dem Leben von Philippine. Und doch werden sie kaum am Rande erwähnt und ein eigenes Leben gibt es für sie nicht.

Die sprunghaften Wechsel zwischen den Erzählungen in dritter Form und den Tagebucheinträgen von Philippine Welser sorgen noch zusätzlich dafür, dass es schwerfällt, sich in die Geschichte reinzulesen.
Kaum hat man sich halbwegs an die Geschehnisse gewöhnt, kommt ein willkürlicher Schnitt und man findet sich in dem Tagebuch wieder – oder umgekehrt.

Direkte Gespräche gehen in den Seiten scheinbar verloren.
Auch nach mehr als 200 Seiten warte ich noch auf die Spannung, die einfach nicht aufkommen will.

Bis zum Ende argwöhnt Philippine, dass man ihr nach dem Leben trachtet. Und trotzdem scheint es keinen zu kümmern. Nur einmal wird eine Tatverdächtige in den Kerker gesperrt, dass ist alles an Nachforschungen.
Selbst für eine nicht standesgemäße Eheschließung doch etwas sehr mager. Wenigstens der Erzherzog sollte doch daran interessiert sein, mehr zu erfahren. Wenn schon sonst niemand in dem Gefolge. Bis zu den letzten Seiten bleibt alles in der Schwebe. Kein Fingerzeig, ob sich die Welserin alles nur einbildet oder wirklich jemand nach ihrem Leben trachtet.

Erst als sie schon am Ende ihres Lebens ist, kommt wie durch Zauberei (anders kann ich es nicht sagen), die Lösung daher. Steht von jetzt auf dann im Raum und vorbei ist der ganze Spuk. Von einem fesselnden Krimi fehlt jede Spur.

„Philippine kochte leidenschaftlich gern und schrieb sogar ein Kochbuch. Dieses Kochbuch umfasst 651 Rezepte auf 136 Blättern, die sachlich gegliedert sind. Sie beginnen mit den Torten und enden mit den Fastenspeisen.

Außerdem beschäftigte sie sich mit der Pharmakologie. Auf Schloss Ambrass besaß sie eine reich ausgestattete Apotheke. Sie stellte eigenhändig Heilmittel her und studierte Kräuterbücher. Kamen gesundheitlich angeschlagene Untertanen zu ihr, versuchte sie ihnen mit ihrem Wissen zu helfen. Auch ihre medizinischen und pharmakologischen Einsichten hielt sie in einem Rezeptbuch fest, das 127 Seiten umfasste und heute in der Wiener Hofbibliothek eingesehen werden kann.

Auf Schloss Ambrass ist sogar noch ein Gebetbuch mit vielen Zeichnungen von Philippine erhalten.“
Quelle: Augsburgwiki.de

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2 Kommentare zu „Gute Worte sind schwer zu finden

  1. Philippine schrieb KEIN Kochbuch, sondern fügte dem ihrer Mutter einige wenige Seiten hinzu (ersixhtlich an ihrer Handschrift). Auch das Rezeptbuch stammt von ihrer Mutter Anna – wenn man sich nur Wikipedia verlässt, liegt man eben manchmal leider daneben!
    Richtig lesen (auch ein gut geschriebenes Nachwort) lohnt immer ….

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    1. Ich habe bei meinen Nachforschungen im Netz beide Aussagen gefunden und nicht nur via Wikipedia (s. auch die o.g. Quellenangaben). Deswegen steht auch am Anfang, dass sich zu diesem Punkt die Geister scheiden.

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