Im Zweifel für die größere Veränderung

Mut für Zwei von Julia Malchow
Fester Einband, 319 Seiten
Erschienen bei Malik Verlag, Erstausgabe 01.05.2013
ISBN 9783890294261
5 von 5 Sternen

„Man muss einfach aufbrechen. Der Rest findet sich irgendwie. Die größte Hürde ist der eigene Kopf!“ (S. 305)

Kann man mit einem Baby verreisen? Nicht nur zu den Verwandten im nächsten Ort, sondern weiter weg. Mit der transsibirischen Eisenbahn durch Sibirien, in die mongolische Steppe, nach China bis nach Peking.

Die erste und allgemeine Antwort ist Nein.
Aber warum eigentlich nicht?

Diese Frage stellt sich auch Julia Malchow.
Braucht ein Baby die hier als üblich angesehenen Routinen? Wo ist die Grenze zwischen der eigenen Person und dem Leben als Mutter? Wie fließend kann diese Grenze sein? Müssen die eigenen Wünsche hinter dem Kind zurücktreten?

Warum soll es immer nur die standardisierten Pauschalreisen geben, die einem im jeden Reisebüro angeboten werden? Muß immer alles in den gewohnten Normen ablaufen, wie es in der Gesellschaft als richtig angesehen wird?

Für Antworten auf diese Fragen und für ein passendes Konzept in ihrem verändertem Leben geht Julia Malchow auf eine Reise ohne feste Planung, mit offenem Ende und gerade einmal grob geplanten Eckpunkten wie Hotel- und Zugreservierungen.

Eine Reise, bei der keineswegs alles glatt läuft.
Auch die Zweifel kommen zu Wort zusammen mit den Fehlschlägen, die bei einer 15.000 km langen Fahrt nicht ausbleiben können. Ein Grund mehr, weswegen das Buch glaubwürdig ist. Auch ein Mensch, der sich an ein Unternehmen außerhalb der üblichen Parameter wagt, hat Ängste die überwunden werden wollen.

„Zum Glück leben wir in einer Gesellschaft, in der die soziale und politische Kontrolle des Lebens bei Weitem nicht so ausgeprägt ist wie in China. Und weitere Kontrollinstanzen gibt es zum Glück nicht. Oder? Zum Glück leben wir in einem Land, in dem jeder seinen eigenen Lebensstil zelebrieren kann.
Leben wir doch? (S. 302).“

Jeder sollte sich bei einer Reise so leicht tun wie Levi. Der Kleine krabbelt einfach los und schließt neue Freundschaften. Ungestört von sprachlichen Barrieren oder Hemmungen vor dem Fremden. Schlußendlich wird überall nur mit Wasser gekocht und ein Haus ist ein Haus – in dem Menschen leben, ganz gleich wie es aussieht.

Der Sohn hat den Weg eingeschlagen ohne irgendwelche Ängste – und es damit auch für Julia Malchow leichter gemacht, auf neue Erfahrungen mitzugehen.

„…liege ich in der Dunkelheit neben dem schlafenden Levi und muss laut loslachen: Kurz hatte ich in die Zukunft geblickt: Ein Mann um die fünfzig, der eine greise Frau im Rollstuhl mit leuchtenden Augen durch unwegsames Gelände an irgendeinem wunderbarem Ende der Welt rumpelt.“ (S. 306)

„Nach dem Tag im District 798 spüre ich: Es gibt keine organisierte Freiheit.
Entweder bin ich frei. Oder organisiert.“ (S. 275)

Advertisements

3 Kommentare zu „Im Zweifel für die größere Veränderung

Deine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s