Es war einmal…

Gesa – Verrat im Kastell Bürgel von Alexander Raabe
Flexibler Einband, 208 Seiten
Erschienen bei Sutton Verlag
Erstausgabe 01.09.2013
ISBN 9783954002160
3 von 5 Sternen

Wie schnell sich das gewohnte Leben in Luft auflösen kann, zeigt die Geschichte um die 17-jährige Gesa. Marodierende Räuber fallen über ihr Dorf her und machen buchstäblich alles dem Erdboden gleich. Natürlich geht es dabei nicht ohne Blutvergießen und Schändungen ab.

In der Beziehung ist es dem Autor überzeugend gelungen, die gnadenlose Handlungsweise der damaligen Zeit gegenüber den Schwächeren aufzuschreiben. Nichts wird schöngeschrieben oder unter den sinnbildlichen Teppich gekehrt. Im Gegenteil – Alexander Raabe lässt in allen schmutzigen Details miterleben, wie Gesa die Leiche ihres Mannes und ihrer besten Freundin findet. Auch die Mißhandlungen bis hin zur Vergewaltigung durch den Drillmeister Ulfert und der anderen Bewohner des Kastells Bürgel werden gnadenlos offengelegt.

Während Gesa von einem Mann zum Nächsten geschleppt wird, plant Tribun Rikulf die Ermordung des Cäsaren Julian und seinen eigenen Seitenwechsel zu den Franken.
Auch hier wird Gesa durch die fremdbestimmten Umstände mit hereingezogen.

Ein schonungsloser offener ‚Tatsachenbericht‘ könnte man fast sagen, der in aller Schnörkellosigkeit das harte alltägliche Leben der damaligen Zeit aufzeigt. Wobei mir immer wieder der Gedanke reinspielt, dass es auch in der heutigen ‚modernen Zeit‘ in Kriegsgebieten keinen Deut anders ist. Es hat sich nicht wirklich viel geändert.

Aus meiner Sicht ist es weniger ein historischer Krimi sondern viel eher ein relativ ruhig gehaltener Bericht über die Geschehnisse um die Umbrüche der ausgehenden Römerherrschaft in Germanien. Ruhig in dem Sinne, dass man beim Lesen nicht von irgendwelchen ‚unglaublichen‘ Vorkommnissen überrannt wird, die völlig deplaziert wirken. Das normale alltägliche Leben in einem umkämpften Grenzgebiet wird gezeigt.

Einige ‚Schönheitsfehler‘ haben sich leider trotzdem in das Buch eingeschlichen. Vorrangig die irreführende Angabe des Klappentextes, nach dem Gesa den geplanten Verrat aufdeckt. Dadurch werden völlig falsche Erwartungen an den Handlungsverlauf hervorgerufen.

Neben der recht gut ausgearbeiteten Hauptprotagonistin der Geschichte hätten einzelne Nebenfiguren detallierter ausgearbeitet eher überzeugen können. Gerade dann, wenn es sich dabei auch um für den Ablauf wichtige Personen handelt. Gesinnungswandlungen wie die Lutto’s wirken durch die in wenigen Sätzen abgehandelte Motivation nicht ganz überzeugend.

Links:
Haus Bürgel, das ehemalige Kastell Bürgel

Advertisements

Ein Kommentar zu „Es war einmal…

Deine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s