Verborgene Leidenschaften

Die geheime Braut von Brigitte Riebe
Fester Einband, 450 Seiten
Erschienen bei Diana HC Verlag
Erstausgabe 28.10.2013
ISBN 9783453291348
4 von 5 Sternen

Der Reiz des Verbotenen und die Macht des Geldes locken seit jeher zu gefährlichen Taten.

Dem Maler Lucas Cranach geht es da nicht anders. Eine Unsumme Geld wird ihm für eine Auftragsarbeit angeboten – die drei Grazien der griechischen Mythologie soll er malen. Allerdings – und hier liegt die Gefahr des Auftrages – nach lebenden Vorbildern und unbekleidet.

Keine ehrbare Frau würde sich für dieses Gemälde zur Verfügung stellen. Soviel ist auch Cranach schnell klar. Aber das Geld lockt. Also müssen andere Wege beschritten werden, die sein Geselle Jan Seman für den Meister einschlagen darf.

Mit recht fragwürdigen Methoden werden die ersten beiden Frauen überzeugt, Modell zu stehen – und kurze Zeit später tot aufgefunden.

Kein Wunder, dass Wittemberg Kopf steht. Nicht genug, dass die neuen Auslegungen der christlichen Religion durch Luther schon für grundlegende Veränderungen im gewohnten Leben sorgen – die Morde tun noch ein Übriges, Unruhe in die Universitätststadt zu bringen, die wegen dem Reformator auch so schon einen umstrittenen Ruf genießt.

Die Verdächtigungen haben nach den Morden Hochkonjunktur. Kaum jemand, der noch außen vor bleibt bei der Jagd nach dem Täter.

Daneben zeichnet Brigitte Riebe für den Leser ein sehr schönes und komplett anderes Bild der Stadt und besonders des Haushaltes um Martin Luther, auf den man durch die Morde einen sehr spannenden Einblick als ‚Privatmenschen‘ erhalten kann. Für mich ist das eines der besonderen Höhepunkte der Geschichte.

Lucas Cranach, Katharina von Bora und Luther spielen auch eine wichtige Rolle in dem Spiel und sind dabei so lebendig dargestellt, dass sie über eine Nebenrolle weit hinaus wachsen.

Der völlig andere Blick auf das Leben einer Nonne zu der damaligen Zeit und die Versuche Katharina’s sowie ihrer beiden neuen Mägde Susanna und Bini – auch ehemalige Nonnen – sich in dem scheinbar freieren Leben zurecht zu finden verbindet unmerklich mit dem Leben der Menschen des 16. Jahrhunderts. Keine Spur davon, dass Leben im Konvent sei nur geprägt von Zwängen.

Die völlig andere Sichtweise auf das Leben in der geschlossenen Gemeinschaft gibt der Erzählung einen angenehmen Tiefgang und lässt gerade die ruhige Katharina mit allen für ihre Familie aufkommenden Schwierigkeiten einen angenehmen zweiten Gesichtspunkt auf die Geschichte freilegen. Eine Geschichte neben der augenscheinlich vorrangigen Geschehnisse um die Morde.

Gerade dadurch gefällt mir ‚die geheime Braut‘ besonders gut.

Und auch die Tarnung des Mörders ist wunderbar gelungen. Erst sehr spät beschleichen einen leise Ahnungen, wer der Täter sein könnte.

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