Wie ist das nun mit der Freiheit?

Das Huhn, dass vom Fliegen träumteDas Huhn, dass vom Fliegen träumte von Sun-mi Hwang
Flexibler Einband, 160 Seiten
Erstausgabe : 01.02.2014
Kein & Aber Verlag
ISBN: 9783036956992

Eines sollte vielleicht gleich vorneweg gesagt werden:
Die tiefgehende Begeisterung für diese Geschichte verlief bei mir etwas Anders. Es ist kein ‚zu Herzen gehendes‘ Buch und als solches würde es auch keine Begeisterung bei mir hervorrufen.

Ganz anders ist es da mit dem philosophischen Hintergrund. Die Geschichte um die Freiheit, um die es letztendlich auch für Sprosse geht, könnte mich zu stundenlagen Gesprächen verlocken.

Sprosse ist ein Huhn, wie es sie in Tausenden gibt: Eine Legehenne, deren Lebensaufgabe es sein soll, in ihrem viel zu engen Käfig Eier zu legen. Legt sie keine Eier mehr, ist sie für die Bäuerin nutzlos und soll aus dem Stall entfernt werden.

Was eigentlich das Ende von Sprosse sein soll, ermöglicht ihr ein völlig neues Leben und Wege in die Freiheit.

Ganz klar ist das kein ebener Weg – das wäre auch unwahrscheinlich gewesen. Schwierigkeiten und Gefahren gibt es mehr als genug, die Sprosse’s Leben begleiten.

Soweit erscheint mir die Geschichte auch vollkommen normal.
Denn schließlich – welches Leben wäre jemals frei von Höhen und Tiefen gewesen.

Dabei geht es nur vordergründig gerade um das Erleben von Sprosse.
Der eigentliche Sinn dieses Buches ist die Freiheit zu leben. Anders zu sein, auch tolerant und sein eigenes Leben zu haben. Das ist nicht einfach mal eben so zu erlangen. Man wächst in sie herein, in die Gefahren, die sie mit sich bringt.

Nicht nur Gefahren für das Leben.
Auch andere Gefahren – wie die Gefahr, anders zu sein und deswegen ausgegrenzt zu werden. Damit auch für sich selber neue Wege finden zu müssen, für sich einen eigenen passenden Platz zu finden.

Das geht nicht nur Sprosse so. Irgendwie versucht jedes Lebewesen der Fabel, seinen Platz zu finden und zufrieden zu leben. Manche sind zufrieden mit dem, wie es ist, oder es wird versucht, sich anzupassen oder ein ganz anderes Leben zu führen.

Im Rückblick bleibt vielleicht auch ein leicht bitterer Beigeschmack. Müsste es unbedingt so sein? Manches Mal kommt der Wunsch hoch, Sprosse einiges zu erklären oder zu warnen, was für den Leser ganz offensichtlich ist – aber sie muss es selber lernen.

Es gäbe sicher noch vieles mehr über diese Fabel zu sagen und auch noch andere Aspekte zu beleuchten. Beispielsweise die Tierhaltung in viel zu engen Käfigen.
Oder das jedes Ding eben seine zwei Seiten hat, was auch viel zu oft vergessen wird.

„Während sie zusah, wie der Wind die Schneeflocken fortwehte, breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus: Es war kein Schnee. Die Akazienblüten fallen wieder! Sie wollte ihren Duft in sich aufnehmen, die fallenden Blütenblätter mit ihrem ganzen Sein spüren, und breitete die Flügel aus. Es war ein herrliches Gefühl. Die Kälte und Einsamkeit waren wie weggeblasen.“
(S. 156)

Wie ich eben sagte: Ein Buch, um sich stundenlang darüber zu unterhalten.

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2 Kommentare zu „Wie ist das nun mit der Freiheit?

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