Neunerbuschen aka Kräuterbuschen

Neunerbuschen, Frauenbuschen, Kräuterbuschen, Würzwisch.
Das Kind hat viele Namen.

Das Sammeln der Kräuter geht auf vorchristliche Gebräuche zurück und die Kräuterbuschen bestehen aus einer bestimmten Zahl unterschiedlicher Pflanzenarten. In die Mitte des Bündels kommt meistens eine Königskerze. Drumherum können verschiedene (Heil-)Kräuter, Blumen Getreideähren und im August reifende Früchte gebunden werden. Es können sieben, neun, 12, 15, in manchen Gegenden sogar 77 oder 99 Kräuter sein. Das liegt daran, daß sowohl die Drei als auch die Sieben und die Neun als magische Zahlen gelten, wobei 9, 12 und 15 Vielfache der Drei sind.

Die Anzahl der eingebundenen Kräuter ist regional verschieden. Wird der Würzwisch aus neun Kräutern zusammengesetzt, dann nennt man ihn auch Neunerbuschen oder Neunerlei Buschen.

Die genaue Zusammensetzung kann nach Gegend, traditionellen Gewohnheiten und persönlichen Vorlieben/Absichten variieren. Wenn beispielsweise der Kräuterbuschen anschließend als Heiltee verwendet werden soll, schließen sich Getreide, Früchte und Blumen größtenteils aus.

Beispiel für einen Neunerbuschen:
Königskerze, Johanniskraut, Schafgarbe, Baldrian, Tausendgüldenkraut, Arnika, Kamille, Wermut, Pfefferminze.

Die kirchlichen Begründungen für die Anzahl der Kräuter sind teilweise schwer nachvollziehbar. Kein Wunder, wenn man davon ausgeht, dass die Tradition des Kräuterbuschen bzw. der Kräuterweihe (15. August) auf vorchristliche Gebräuche zurückgeht und von der Kirche übernommen wurde. Da ist es naheliegend, dass für die verschiedene Anzahl der Kräuter neue Erklärungen gefunden werden mussten.

  • drei (Symbol der Dreifaltigkeit)
  • sieben (Zahl der Wochen- bzw. Schöpfungstage)
  • neun (dreimal drei für die hl. Dreifaltigkeit)
  • Zwölf (Zahl der Apostel)
  • 14 (Zahl der Nothelfer)
  • 24 (zweimal zwölf: zwölf Stämme Israels aus dem alten und zwölf Apostel Christi aus dem neuen Testament)
  • 72 (sechsmal zwölf) (Zahl der Jünger Jesu)

Die Sieben gilt ebenso als die alte heilige Zahl der vier Elemente mit den drei Gliedern der Familie (Frau, Mann, Kinder). Die Drei galt bereits bei den Kelten als magische Zahl.

Vor dem Aufkommen des Christentums galt die Drei als Zahl der Göttin in ihren verschiedenen Erscheinungsformen – der Jungfrau, der reifen Frau (Mutter) und der weisen Alten. Eine weitere Bedeutung findet die Drei in den drei Nornen (nordische Schicksalsgöttinnen).

In der heutigen Zeit werden die gesammelten Kräuter bei der Kräuterweihe am 15. August (Maria Himmelfahrt oder Maria Kräuterweih) von der Kirche gesegnet. Damit sehr eng verknüpft ist der Frauendreißiger (15. August bis 12.September). In der Zeit sammeln die Kräuter noch einmal ihre gesamte Kraft und gelten daher als besonders heilkräftig.

Die geweihten Kräuter werden im Haus und im Stall meist an der Wand, am Dachboden oder im Herrgottswinkel angebracht. Dort sollen sie vor Blitzschlag schützen, als Segen für den Hausstand helfen oder über die Nahrung die Gesundheit der Tiere und Menschen fördern. Für letzteres auch als Heiltees.

Geweihtes Getreide kann dem neuen Saatgut für eine gute Ernte beigefügt werden.
In einigen Gegenden, beispielsweise dem Alpenvorland, räuchert man in den Rauhnächten mit den Kräuterbuschen das Haus und die Ställe aus zur Reinigung der negativen Energien und für einen guten Beginn des neuen Jahres.

Als weitere Verwendungsmöglichkeit können geeignete Kräuter aus dem Neunerbuschen auch als Kräutersalz verwendet

In manchen Gegenden Deutschlands werden Zweige aus dem Kräuterbuschen den Verstorbenen mitgegeben.

Dass ist nur ein Teil der Nutzungsmöglichkeiten des Kräuterbuschen. Im Grunde ist es vorrangig Empfindungssache, wofür man die Kräuter verwenden möchte.

Geht man vom keltischen Jahresablauf aus, fällt die Kräuterweihe mit Lughnasadh/Lammas zusammen.

Bei der Synode von Liftinae (743 n. Chr.) wurde die Kräuterweihe verboten.

„Das Konzil von Liftinä in der belgischen Provinz Hennegau, das im Jahre 743 auf Befehl des fränkischen Fürsten Karlmann (741/747) von Bonifatius einberufen wurde, belegt den Brauch der Kräuterweihe auch schon im Frankenreich.“
(Quelle: Fränkisches Brauchtum im Jahreskreis, S. 4)

Eine weitere Erwähnung der Kräuterweihe findet sich im Sachsenspiegel des 13. Jahrhunderts:

„Dat is to Krudemisse unser liben Frawn as sei to Himmel voer. (etwa: Am Tag, als Maria zum Himmel fuhr, wird die Kräutermesse gehalten.)“
(Quelle: Wikipedia: Würzbüschel)

und im Weltbuch von Sebastian Franck (1534):

„an unser frawen himmelfart da tregt alle welt obs /
büschel allerley kreuter /
in die kirchen zu weihen /
für alle sucht und plag uberlegt /
bewert. Mit disen kreutern geschicht seer vil zauberey.“

(Quelle: Wikipedia: Würzbüschel)

Richard Beitl, Herausgeber des Wörterbuches der Volkskunde, schrieb: „Die geweihten Kräuter fanden und finden in Haus, Stall und Feld […] zu besonderen Zeiten (Raunächte) hundertfältig und nicht selten dem kirchlichen Sinne entfremdet Verwendung.“
(Quelle: Wikipedia: Würzbüschel)

Über die Neunerbuschen und die Kräuterweihe wollte ich eigentlich schon letztes Jahr schreiben. Habe mich dann bei den vielen alten Texten festgelesen und fand es im Herbst doch etwas spät.
Dieses Jahr habe ich selber einen Kräuterbusch geschenkt bekommen und mich erinnert, diesen Artikel fertig zu stellen. Und habe mich auch dieses Mal wieder festgelesen. 😉

Links:
Mariä Himmelfahrt – die Tradition und Funktion des Kräuterbuschens

Advertisements

4 Kommentare zu „Neunerbuschen aka Kräuterbuschen

    1. ich habe die Kräuterbuschen auch vor ca. 2 Wochen geschenkt bekommen. Und seit dem an dem Artikel gearbeitet, über die Hintergründe gelesen, Historisches recherchiert – und natürlich wieder länger gebraucht. 😉

      In der Regel wird heute davon ausgegangen, dass es sich um ’nur‘ eine christliche Tradition handelt. Überrascht mich etwas, dass das in deiner Gegend anscheinend nicht so ist?

      Gefällt mir

Deine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s