Schwanger – was nun?

Herr Müller, Sie sind doch nicht schwanger?!

Herr Mueller Sie sind doch nicht schwanger von Martin Wehrle

Eine neckische Frage, stimmt’s? Normal müßte es ja heißen ‚Frau Müller‘. Ist aber nebensächlich – schwanger und die Welt geht unter. Zumindest die Berufswelt. Ab in’s Heim und Kinder hüten.

Klingt bösartig und bringt es trotzdem auf dem Punkt. Gnadenlos und die Tatsache, dass wir bereits das 21. Jahrhundert haben, wird dabei gepflegt ignoriert. Kopfschüttelnd kann beobachtet werden, dass die hochgelobte fortschrittliche mitteleuropäische Gesellschaft sich immer noch verhält, als wäre in dieser Rubrik die Zeit in den 1950er Jahren stehen geblieben.

Der Titel samt Untertitel macht neugierig, das Cover zugegeben weniger. Klassisches Zweifarbenbild mit einer ratlosen kleinen Gestalt, die die Frage des Geschlechts unbeantwortet im Raum stehen lässt.

Für mich ausreichend, um mir das Buch näher anzusehen.

„Dass Frauen in den Firmen vor allem zwei Bereiche leiten, die Kaffeemaschine und den Geschirrspüler…“
(S. 9)

Es hilft nichts. Ganz ungewollt steigen hier doch Bilder hoch von selbst beobachteten Alltagsgeschehen in firmeneigenen Teeküchen. Die genau das beschriebene Bild zeigen. So unwahrscheinlich es einem auch vorkommt.

Ein Klischee nach dem anderen wird beim weiteren Lesen angesprochen. Arbeit und Familie, Durchsetzungsvermögen und was sonst noch so bekannt ist. Soweit überhaupt von Klischee’s gesprochen werden kann, wenn sie de facto den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Und in einigen Fällen so fest im Denken verankert sind, dass ihre Merkwürdigkeit erst dann auffällt, wenn sie von dritter Seite ausgesprochen wird.

An dieser Stelle könnte ich problemlos das halbe Vorwort zitieren, aber dass würde euch ja den Spaß beim Lesen nehmen.

Und wo wir gerade bei Spaß sind. Für mich ist es sehr spaßig, Herrn Müller beim Frisieren seine Bewerbungsunterlagen zuzusehen – für ihn weniger. Die Veränderungen machen sich jetzt auch in den Noten bemerkbar (Einserabschluß beim BWL-Studium) und bei mir kommt der trockene Gedanke auf, wie schnell er wohl trotz blendenster Zeugnisse ganz gewaltig auf dem Boden der Tatsachen aufschlagen wird.

Das sind jetzt zwar nur Vorschußlorbeeren anhand der Leseprobe. Aber genug, um mich neugierig zu machen und das Buch auf dem Radar zu behalten. Ob sich allerdings durch sein Erscheinen viel in der allgemeinen Arbeitswelt ändern wird, wage ich zu bezweifeln.

Naja – im Einzelnen vielleicht doch. Mal schau’n.

Erstausgabe : 29.09.2014
Mosaik Verlag
ISBN: 9783442392551
Fester Einband: 350 Seiten

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