Was geht und wie teuer darf’s sein

Es war noch warm, man konnte draußen sitzen bei Kaffee oder Wein und über Gott und die Welt diskutieren. Genauer gesagt über die Lebensmittelpolitik – über Qualität, Preis und vor allem Herkunft der gekauften Lebensmittel.

Und wie so oft wurde von mir begeistert berichtet, was ich gefunden habe oder eben als schlecht aussortiert habe. Über neue Möglichkeiten, regional und im Idealfall noch in Bio-/Fairtrade-Qualität einzukaufen freue ich mich immer wie Schnitzel. 😉 Da hat mich der Satz ‚dass kann sich aber nicht jeder leisten‘ schon eiskalt erwischt.

Natürlich kann sich Bioqualität nicht jeder leisten. Bei uns ist es auch nicht anders, dass der Preis öfter als einmal die monetären Möglichkeiten übersteigt.

Was dann allerdings sehr meinen Ehrgeiz anstachelt. Wenn schon nicht immer Bio geht, dann soll es wenigstens regional und in der bestmöglichen Qualität sein. Da kommt dann so richtig schön der Jäger und Sammler durch. 😉

Dass dabei die Möglichkeiten je nach Region ganz unterschiedlich sind, ist mir auch klar. Aber wie bei einem Stein, der mal in’s Rollen gebracht wurde, erfährt man immer mehr unter der Hand. Die Buschtrommeln funktionieren 1A und wenn erstmal bekannt ist, dass man zu der seltenen Sorte der regionalen (Essens)-Jäger gehört, erfährt man von anderen Gleichgesinnten die interessantesten Jagdreviere. 😉

Immer mehr schweift dann auch das wachsame Rabenauge unterwegs nach geeigneten Nahrungsquellen und öfter als einmal fündig geworden. In Form von kleinen versteckten Schildhinweisen auf einen Hofladen, regionale Wochenmärkte oder Verkauf auf Flohmärkten. Eine gute Nachrichtenquelle ist auch das wöchentliche ‚Käseblatt‘ – da werden Traktoren verkauft, Junghühner, Ziegen, Schafe, Obst zum Selberpflücken. Ein gedruckter Marktschreier, bei dem man wirklich alles finden kann.

Die Flohmärkte haben sich mit der Zeit auch zu einem reichhaltigen Genußmarkt gemausert. Je nach Saison findet man dort Gemüse, Obst, Gelees/Marmeladen, ‚geistige‘ Genüsse und Honig. Meine letzten Zwetschgen habe ich dort erlegt.

Zu unseren fest abgesteckten Jagdrevieren zählen inzwischen

  • Ein Bauer, bei dem wir regelmäßig Kartoffeln und Gemüse holen
  • Ein Milchbauer, zwar nicht Bio aber auf jeden Fall bessere Qualität als das gefärbte Wasser aus Supermärkten
  • Zwei Hofläden in näherer Umgebung
  • Zwei Metzger, die noch selber wursten
  • Drei Imker, zwei davon Hobbyimker
  • Zwei Eierfrauen

und noch ein paar Anschriften, denen ich noch näher auf den Zahn fühlen will.

Die Ausbeute hat natürlich eine Weile gebraucht, aber mit der Zeit hat es sich so zusammengeläppert.

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12 Kommentare zu „Was geht und wie teuer darf’s sein

  1. Du hast ja so recht, Rabin!

    Ich leiste mir dennoch Nespresso Kapseln 🙂 Aber auch Bio Gemüse und Bio Fleisch und ich jammere nicht, dass ich es mir nicht leisten kann, wenn ich kein Geld habe, gibt’s die oben genannten Karotten mit Erdäpfen und um 2 Euro sind alle satt.

    Dennoch glaube ich dass viele Leute gar nicht mehr kochen können, was sollen die mit Karotten anfangen? Die „brauchen“ Fertigzeugs um überhaupt was auf den Tisch bringen zu können.
    Und es soll Menschen geben die keine Getreidebratlinge essen möchten und daher Fleisch kaufen.
    Und um alle satt zu kriegen, muss es dann halt das schreckliche Qualfleisch geben..traurig,..aber wahr, irgendwie liegt der Fehler im System,..denke ich.

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    1. Zwischen Getreidebratlingen (die ich btw. auch nicht in der Küche habe) und Fleisch liegen immer noch Welten. 😉 Es gibt soviel mehr als nur das klischee-vegetarische Essen. Z.B. Pizza und italienische Pasta, um nur die beliebtesten Beispiele aus der Schublade zu ziehen. 😉

      Dass es Massen an Leuten gibt, die nicht kochen können, ist nur wahr. Die Gretchenfrage ist halt, will man sich wirklich sein Leben lang von mehr oder weniger schlecht schmeckendem Dosenfutter ernähren. Das helfen meiner Meinung nach nur Denkanstöße und evtl. Kochbeispiele, was so geht. Auch für wenig Geld und lecker. Dass es unbedingt das Massenhaltungsfleisch sein muss, halte ich ehrlich gesagt für ein Gerücht. Da spielt das Gewohnheitsverhalten mit rein. Fertigessen gibt es in allen Qualitätsstaffeln von ‚unterirdisch schlecht‘ bis ‚durchaus lecker‘.

      Ich habe erst vor wenigen Tagen beim Lidl zugesehen, wie aus den Kühlregalen mind. ein Dutzend Fleischpakete aussortiert wurden – knapp vor dem MHD. Immerhin gibt es inzwischen eine Abteilung für solche Waren mit heruntergesetztem Preis. Trotzdem war’s kein schöner Anblick. An der These, dass viel gewonnen wäre, wenn die Mitteleuropäer mit dem entsprechenden Geldbeutel beispielsweise 1 x wö. auf Fleisch verzichten würden, ist meiner Meinung nach einiges dran.

      Wo genau der Fehler liegt, ist schwer zu sagen. Irgendwo zwischen Gewohnheitsverhalten und Werbung/Lebensmittelindustrie, die suggeriert, für wenig Geld möglichst viel bekommen zu wollen.

      Damit steig ich mal runter vom Rednerpult und guck, ob die eigene Küche noch was hergibt. 😉

      Hab eine schöne Nacht und ich freu mich, dass du hier so ausführlich geschrieben hast (und mir folgst. 😉 )

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      1. Ich habe das alles sehr überspitzt formuliert, im Grunde sind wir uns einig denke ich.
        Und nix gegen Getreidebratlinge, die mag ich auch ganz gern hin und wieder.

        Ich denke dennoch, viele Menschen raufen echt so mit dem Geld, das sie nicht haben, dass sie automatisch zum Günstigsten im Regal greifen, und Fleisch aus dem Supermarktregal gehört da leider immer noch dazu.
        Jeder hat auch nicht die Möglichkeit zum Direktbezug in Hofläden zb, weils das auch nicht überall gibt.

        Denkanstöße geben wir täglich, wir mit unseren Blogs die die Fertigprodukte aussperren und versuchen möglichst alles selbst zu machen.
        Missionieren ist dennoch nicht das Richtige,..und ich koch auch fertig gekaufte Nudeln mal mit selbstgemachter Sauce, weil ich nicht jedes Mal Nudeln machen will oder kann wenn es Nudeln geben soll.

        Ich sag immer und wenn ich nur einen anrege, mal selbst was auszuprobieren und wenns nur ein selbstgemachtes Erdäpfelpüree ist, dann ist der Weg der richtige.

        Liebe Grüße Sina

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        1. Nachdem ich fast immer fertiggekaufte Nudeln habe, könnte ich schlecht missionieren. 😉
          Alles Geschmackssache – auch die Getreidebratlinge. Und dass viele Menschen echt rechnen müssen, sehe ich hier beinah jeden Tag. Und auch den Gegenpol dazu, samt allen Grauzonen dazwischen. Es wird nie einen Punkt geben, der auf alle anwendbar ist. Sonst wäre es ja auch zu einfach. 😉

          Nochmalige Grüße und eine gute Nacht von der Rabin. ^^

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  2. Zum Thema sich nicht leisten können:

    Menschen können sich leisten, Kaffee in Alukapseln zu kaufen (rd. 30-40 Euro pro kg) aber nicht leisten, Bio-Eier zu kaufen (Stück 0,5 Euro)

    Menschen können sich leisten billiges Faschiertes (Hack) zu kaufen (kg rd. 5-6 Euro) aber keinen Grünkern, das kg um 3-4 Euro.

    Menschen können sich leisten ein kleines Päckchen Tiefkühlgemüse zu kaufen (300 gr um 2-3 Euro) aber kein kg Biokarotten um euro 1,50.

    Menschen können sich verschiedene Erdbeerjoghurt & Desservarianten leisten aber kein Bionaturjoghurt, das halb so viel kostet?

    Von Lieferservice und Getränken will ich gar nicht erst anfangen.

    Nein, ich sehe das Argument gar nicht ein. Es macht mich richtig wütend.

    Menschen haben kein Geld für Biowaren aber für Fertigprodukte, die ein Vielfaches von dem Ursprungsprodukt kosten. Sie haben Geld für Billigfleisch aber nicht für gutes Getreide oder Gemüse.

    Wenn man seine Ernährung ein wenig überdenkt und anfängt auch selber wieder Karotten zu schälen und zu schneiden kostet die Ernährung in Bioqualität gar nicht so viel.

    Ich esse lieber 1 x pro Woche gutes Fleisch als jeden 2. Tag Billigfleisch. So einfach ist das in Wahrheit.

    lg
    Maria

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    1. Was Kapsel-Kaffee vs. Bio-Eier angeht usw., wirst du von mir keinerlei Widerspruch hören. Vieles ist auch Kopfsache, ohne Frage. Aber ich glaube auch ohne mit der Wimper zu zucken, dass es durchaus auch Menschen gibt, die sich Bio-Qualität nicht (immer) leisten können. Oder beispielsweise bei aller Liebe abends nicht mehr die Energie haben, sich etwas selber zu kochen. Es ist eine Gradwanderung, bei der jeder den eigenen Weg finden muss. Vorausgesetzt, es interessiert.

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      1. Natürlich muss jeder seinen eigenen Weg finden, ich wollte nur zeigen, dass es nicht immer der Preis des einzelnen Produktes ist.

        Zeigen wollte ich auch, wenn man seine Ernährung ein wenig verändert (bereit ist zu verändern) dass Bio IN SUMME nicht unbedingt teurer ist.

        lg
        Maria

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  3. Dieses ‚zu teuer‘ halte ich teilweise für eine bequeme Ausrede. Regionale saisonale (ist mir wichtiger als ‚bio‘) Gemüsesorten sind nicht teurer: Möhren, Sellerie, Steckrüben, Wirsing, Kartoffeln. Das Brot vom Vollkornbäcker ist nur unwesentlich teurer. Ich schneide es dünner, weil es so kompakt ist. Käse am Stück ist preiswerter als geschnittener. Und man muss sehen, dass man möglichst nichts wegwirft. Wer natürlich Bio-Gemüse kauft, das nicht Saison hat, klar, das ist teurer.
    Wenn man solche Quellen gefunden hat wie du, das ist toll. Ich suche noch … will ja auch nciht zu weit fahren.
    LG, Ingrid

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    1. Teils sicher, weil man diese Denkweise so gewohnt ist. Wie schon bei Maria erwähnt – ich denke, es ist auch oft eine Frage von der Energie die man abends noch für selber kochen bzw. regionales einkaufen aufbringen kann. Wenn ich bei manchen Menschen höre, wie wirklich spät diese nach Hause kommen, glaube ich sofort, dass keine Energie für nichts mehr zu haben ist. Dass ist zwar nicht die breite Masse, aber eben solche Menschen gibt es eben auch.

      Was btw. Käse angeht. Dafür kann man stellenweise an der Frischtheke ganz schön Geld hinblättern. Wir kaufen inzwischen stellenweise auch die Käsereste, die man für Centbeträge pro 100 g bekommen kann.

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      1. Ich verstehe, dass manche abends einfach keine Energie mehr haben. Man wird ja heutzutage im Arbeitsleben völlig ausgequetscht und ausgesaugt. Es wird allerdings nicht besser, wenn man jeden Tag Fertigpizza aus dem Pappschächtelchen isst. (Das habe ich selbst auch schon getan … heute weiß ich mehr.) Ich denke auch nicht an aufwändige Essen; ein Eintopf ist schnell gemacht, nur Schnipselarbeit und das geht auch für zwei Tage.

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        1. Du sprichst mir aus dem Magen. 😉 Und wer hatte nicht schon seine Zeiten mit mehr oder weniger ungenießbarem Fertigfutter. Die meisten der oben genannten Läden liegen auf unseren sowieso bekannten Wegen und geben vielleicht einen verlockenden Denkanstoß. So mein dezenter Hintergedanke. 😉 Auch weil alles von dort wesentlich leckerer ist als die Angebote aus div. Supermärkten.

          ich bin sicher, du wirst auch noch deine kulinarischen Lieblinge finden. 🙂

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