Das Haus der Gerstenbergs

Mir ist es bei diesem Buch ganz genauso gegangen wie Bri. Gelesen wurde das Gerstenberg-Haus im Lauf des letzten Jahres. Und als dann endlich die Zeit und Muse da war, die Rezension zu ‚Papier‘ zu bringen, lagen die Parallelen zu den aktuellen Ereignissen offen auf der Hand. Zumindest in meinen Augen. Es wäre interessant zu sehen, wer noch alles Bücher mit dem gleichen Aha-Effekt gelesen hat.

WurfschattenDas Gerstenberg-Haus von Charlotte Schroeter
Flexibler Einband, 240 Seiten
Erstausgabe : 14.04.2014
Eire Verlag
ISBN: 9783943380262

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.
Was du tust, tue klug und bedenke das Ende.

Johann Gerstenberg lebt in dem sicheren Glauben, diesem Spruch getreu alles bedacht zu haben, als er ein staatliches Fachwerkhaus in der kleinen Stadt Geseke als Heim für seine Familie und Mittelpunkt seines Getreidehandels bauen lässt. Hier soll sich ein Platz für seine Familie für viele Jahre – vielleicht sogar für Jahrhunderte – mit Sicherheit und Gemeinsamkeit finden.

Nach außen hin ist es eine wohlgeachtete Familie, die ein sicheres Auskommen durch den Getreidehandel des Hausvaters hat. Eine sittsame Ehefrau, zwei wohlgeratene Söhne und zwei Töchter – so zeigt sich das Bild der Familie zur Zeit des 30er-jährigen Krieges.

Eines kann man gleich sagen: Emotionen jeglicher (romantischer) Art bleiben außen vor. So total und endgültig, dass es beim Lesen lange Zeit irritiert und der Zugang zum Geschehen um die Familie Gerstenberg vergeblich gesucht wird. Auch von einer Liebesgeschichte im üblichen Sinne ist keine Spur zu finden. Obwohl Bettlin Gerstenberg für den jüdischen Geliebten alles stehen lässt und ihm bei Nacht und Nebel in die Stadt Fulda folgt.

Es hat etwas Zeitloses, mitzuverfolgen wie wenig sich die Schwierigkeiten der jungen Frau von heutigen Gegebenheiten unterscheiden. Manches wiederholt sich immer wieder und muss auf die harte Tour erlernt werden.

Je länger man mitliest, desto mehr findet man in die Geschehnisse und hofft vor allem für Bettlin’s Mutter, dass sie aus dem ganzen Zusammenspiel von Haß, Mißgunst und Habgier unbeschadet davonkommt.

Gerade die Schmucklosigkeit in den Worten der Debütautorin kristallisiert das Erleben um das Gerstenberg-Haus zu etwas Besonderem. Ein ungeschönter Bericht um Argwohn bis hin zu Haß gegen Andersgläubige genauso wie die nächsten Familienmitglieder und Nachbarn mit allen Folgen bis zur Hexenanklage und Verleumdung. Die ganzen dunklen Seiten der Menschen werden ohne Verbrämung gezeigt. So deutlich, dass dabei beinah untergeht, wie sehr sich gerade Bettlin’s jüdischer Mann über Jahre hinweg bemüht, trotz erfahrener Ablehnung mit Geld und heimlichen Worten zu helfen.

Die Eingewöhnungszeit ist das Buch auf jeden Fall wert und gerade mit dem Verzicht auf romantische Anteile gibt Frau Schroeter beim Lesen das Gefühl einen Bericht zu lesen, wie es Anno 1635 wirklich abgelaufen sein könnte.

Links:
Buchvorstellung
Geseke-News.de – Schüler/Innen spüren der Geschichte Gesekes im 17.Jahrhundert nach
Stadtfernsehen Salzkotten – Bericht über das Gerstenberg-Haus

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