Wurfschatten

WurfschattenWurfschatten von Simone Lappert
Fester Einband, 207 Seiten
Erstausgabe : 17.07.2014
Metrolit Verlag GmbH
ISBN: 9783849300951

Ada ist 25, Schauspielerin mit einem kleinen Engagement bei einem kleinen Kriminaltheater mit Zuschauerbeteiligung.
Und sie hat Angst. Vor Krebs, vor Naturkatastrophen, vor Unfällen, vor dem Sterben in jeder Form. Diese Angst beherrscht sie so sehr, dass sie sogar ein Stethoskop besitzen muss um sich davon überzeugen zu können, dass ihr Herz schlägt – ruhig und regelmäßig.

Diese Ängste sind so stark, dass sie in vielen Nächten nicht schlafen kann. Das Alleinsein ist kaum zu ertragen. Tagsüber helfen die Freunde und Nachbarn, die Ängste in Schach zu halten. Aber nachts – wenn die Stadt friedlich schlafen kann – muss sich Ada anders helfen. Sie ruft ein Taxi und lässt sich bis zum Morgengrauen durch die schlafende Stadt fahren. Hinter den Fenstern schlafen die Menschen und haben keinen Anteil an ihren Ängsten. So seltsam es klingen mag, die Fahrten durch die Stadt helfen – die Vorstellung der ruhenden Menschen. Sie hat keinen Anteil daran und doch ist sie – irgendwie – ein Teil der schlafenden Stadt. Sie lässt sich durch die Straßen fahren – Nacht für Nacht und entflieht auf diese Weise ihren Ängsten, mit denen sie über keinen Menschen reden kann. Weder mit ihren Freuden noch mit Nachbarn. Wer schließlich sollte auch verstehen, dass die lebenslustige begabte Ada ein verschlossenes Zimmer hat, in dem sie ihre Ängste an die Wand gepinnt hat.

Mit den Taxifahrten wird die kleine Gage verbraucht. Geld für lebensnotwichtige Dinge wie beispielsweise die Miete bleibt da kaum übrig. Also wird ihr kurzerhand Juri, der Neffe ihres Vermieters in die Wohnung einquartiert. Genau in dem Zimmer, in dem die Ängste an den Wänden pinnten. Und gerade diese sind es, die dann auch weichen müssen – in doppelter Hinsicht.

Eine poetische Sprache, die je nach ihren Tönen angenehme oder gruselige Bilder entstehen läßt. Zu einem völlig normalen Leben passen die Sätze nicht. Aber Ada ist Schauspielerin. Zu ihr paßt das Ungewöhnliche, auch in ihren Sätzen.

Vor allem Ada’s Ängste sind extrem ungewöhnlich. Schon in den ersten Seiten kommen die Überlegungen mit, wie diese Unzahl an Ängsten zu erklären sei. Die für Außenstehende stellenweise sehr übertrieben wirken. Es ist schwer vorzustellen, wie ein von Ängsten beherrschtes Leben zu bewältigen ist. Wie kann ein einziger Mensch so viele Ängste in sich vereinen?

Ich mag die Sprache, bei der Geschichte warte ich ab.

Ada spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. „Es ist eher so, dass ich mich schon mal vorsorglich selbst bemitleide.“
Maria lachte ein sehr leises Lachen, „das ist meine Geschichte“, sagte sie, „die bekommst du nicht, die ist nicht ansteckend.“
(S. 47)

Auf der anderen Seite (der Sprache) sind die Bilder derart psychotisch, dass es nur mit Schwierigkeiten zu lesen ist. An diesen Punkten möchte ich das Buch weglegen. Oder anders gesagt, Ada weit von mir wegschicken. Die Energie, einen solchen Menschen auszuhalten, kann nur bedingt aufgebracht werden.

Ada bleibt mir fremd für einige Zeit.
Anders ist es da mit Juri. Sobald er zu reden anfängt, kommt er nahe und wird vertraut. Nicht ohne etwas von dem Flair eines einsamen Westernhelden zu haben. Selbst nach einer Nacht voller Reden bleibt der Eindruck geredet wird nur, wenn es unbedingt sein muss.

Erst sehr viel später ist auch Ada vertraut geworden über ihre Ängste hinaus. Ist lebendig geworden und nimmt am Quartierstheater teil, statt nur zu beobachten.

Das Buch braucht Zeit, um rein zu finden – aber dann ist es gut.

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