Weiberwirtschaften

Weiberwirtschaften Baden-Württemberg von Regula Wolf und Ria Lottermoser
Fester Einband, 176 Seiten
Erstausgabe : 03.07.2014
Haedecke Verlag
ISBN: 9783775006699

Die erste Frage die beim Lesen durch den Kopf geistert, warum reizt mich dieses Buch? Es ist in keine Rubrik einzuordnen (muss es auch nicht) und auch kein Buch, dass sich mal eben in einem Rutsch durchlesen lässt. Im Gegenteil – die Weiberwirtschaften nimmt man eher häppchenweise zur Hand, blättert nach Gusto ohne spezielles Ziel durch die Seiten, lässt sich von den Bildern zu ungeplanten Zwischenstopps verführen und macht sich in Gedanken Notizen, dort könnte man einmal vorbeischauen wollen. Weil das Essen lecker klingt und die Umgebung schöne Tagesausflüge in Aussicht stellt.

Manchmal klingen die Worte ein wenig zu glatt oder zu steif. Vielleicht wurde es hier besonders gut gemeint mit dem nicht immer einfachem Bemühen, beim Lesen die selbstgemachten Eindrücke vor Ort lebendig weitergeben zu können. Auch gut möglich, dass in diesen Zeilen zum Teil die erzählende Person eine Rolle spielt.

Mir gefällt der Gedanke, einmal hinter den Kulissen spazieren zu können. Auch wenn es ’nur‘ auf dem Papier geschieht. Sonst kennt man von einem Restaurant gerade einmal den Gastraum. Kaum jemals macht man sich Gedanken um das ganze Drumherum: Welche Geschichte hinter dem Gasthaus, dem Lokal, der Brasserie etc. noch zu erzählen wäre.

Hinter jeder Weiberwirtschaft steckt eine Idee und zumindest ein wenig davon wird hier verraten.

Wenn man das bedenkt, erzählt das Buch nicht nur über Wirtschaften…
Es erzählt über die Menschen dahinter.
Darüber wie vielfältig und unterschiedlich diese Refugien sein können.
Und es erzählt auch ein wenig von dem Essen, dass man dort genießen kann.

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„Ausgeschenkt werden auf einem Bauernhof hergestellte Limonaden, die Pfefferminzlimonade kommt sogar aus der Kronen-Küche.“ (S. 57)

„Ab und zu veranstaltet sie mit einem befreundeten Koch ein ‚Fine Dining‘-Wochenende, oder es finden in der Kleinigkeit sogenannte ‚Kleider-Swap‘-Partys statt – tauschen statt kaufen.“ (S. 69)

Solche Sätze sind es, die meine Neugierde wecken.

Und – ganz praktisch kann man beim Lesen auch gleich ein paar potentielle Ausflugsziele in’s Auge fassen, die in der Nähe liegen.

Kein reiner Gastronomieführer – eher meilenweit davon entfernt. Als abrundende Krönung mit Rezepten aus fast jeder Sparte, die gerade so unterschiedlich sind wie die Weiberwirtschaften und ihre Betreiberinnen. (von denen ich mir auch schon einige zum Ausprobieren vorgemerkt habe 😉 ).

Im Fazit: Eine Tour de Ländle mit dem Buch als Wegweiser ist eine verlockende Idee.

(Für das Buch habe ich mich tatsächlich einmal daran gewagt, um ein Rezensionsexemplar anzufragen und mich gefreut wie Schneekönigin. 🙂 Vielen Dank an den Haedecke Verlag.)

Link:
Reisekarte (erstellt vom Haedecke Verlag via Google Maps)

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2 Kommentare zu „Weiberwirtschaften

  1. Die meisten Reiseführer bieten lediglich Informationen. Wie gut oder schlecht das nun ist bleibt dem Leser überlassen. Literarische Perlen werden aber kaum erwartet. Wie schön ist es dann einen Unterschied zu machen und außergewöhnliche Bücher zu finden. Und vielleicht werden die allzu glatten Worte noch lektoriert. Ein oft schwieriges Unterfangen.

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