Bärlauch-Geschichten

Ein wenig lustig ist es schon: Alles redet über den Bärlauch und Rezepte kommen in Massen auf. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da wußte noch kaum jemand etwas über den ‚wilden Knoblauch‘ – geschweige denn über sein wundervolles Aroma. Langsam dann hat auch die Marktwirtschaft die Pflanze entdeckt und es kamen so neckische Sachen auf wie eine kleine Handvoll Bärlauchblätter in Plastik gekleidet für mind. 3 Euro. Kopfschütteln gratis inklusive.

Keine Frage, dass Bärlauch auch selber zu sammeln geht oder auch im Garten gepflanzt werden kann.

Bärlauch
Quelle: Flickr, rosmary

Iß Lauch im März, wilden Knoblauch (Bärlauch) im Mai,
dann haben die Ärzte das ganz Jahr über frei.
(Bauernregel)

Der Bärlauch ist unter erstaunlich vielen Namen bekannt und war vor seiner ‚Ruhepause als Nutzpflanze‘ schon bei den Germanen und Kelten bekannt.

Waldlauch/wilder Lauch, Rämschelen, Teufelsknoblauch, Hexenzwiebel, Zigeunerlauch, wilder Knoblauch/Waldknoblauch, Latschenknofel, Ränsel, Rams, Hexenknofel, Judenzwiebel, Wurmlauch, Knoblauchrauke, Waldherre, Ramsel, Ramschel.

Einige der Namen lassen vermuten, dass der Bärlauch nicht immer in gutem Ruf stand oder möglicherweise auch in Mißkredit gebracht werden sollte.

Ramser oder Rämsch, der volkstümlich gebräuchliche Name für den Bärlauch leitet sich vom germanischen Wort ‚hramusan‘ bzw. dem althochdeutschen ‚ramsada‘ ab. Dabei handelt es sich um Bezeichnungen für Zwiebel- bzw. Lauchgewächse.

Der lateinische Name Allium ursinum bedeutet ‚für Bären geeigneter Knoblauch‘.

Allium steht für Knoblauch. Der Botaniker Linné hat die Bezeichnung Allium als Gattungsnamen für Zwiebelgewächse eingeführt. „Ursinus“ bedeutet ‚für Bären geeignet‘ (abgeleitet von Ursus = Bär).

Der Name Bärlauch leitet sich vermutlich davon ab, daß der wilde Knoblauch für Bären die erste Mahlzeit nach Beendigung ihres Winterschlafes war. Eine weitere Namens-Verbindung lässt sich daher ableiten, dass die Germanen im Bärlauch die Heilkraft und Energie der Bären sahen. Nicht umsonst gilt der Bär als Krafttier und Urwesen, der mit seiner ungezähmten Kraft das Ende des Winters einläutet. (Und ganz nebenbei auch heute noch als Frühlingsbringer in der Fassenacht eine wichtige Rolle spielt).

Überhaupt hat der Bärlauch eine sehr lange Geschichte vorzuweisen. Über die Funde von Pfahlbauten gilt seine Verbreitung in der Stein-/Bronzezeit als nachgewiesen. Von dort geht es weiter zu den Römern, die den Bärlauch unter der Bezeichnung Herba salutaris (heilsames Kraut) kannten.

Kaiser Karl der Große befahl mit der Landgüterverordnung ‚Capitulare de villis vel curtis imperii‘ etwa im Jahr 812 n. Chr., im jedem Garten der kaiserlichen Verordnung sei auch Bärlauch anzupflanzen. Mit den in der Landgüterverordnung empfohlenen Pflanzen wurde ein wichtiger Maßstab für Heil- und Nutzpflanzen gesetzt, an dem sich auch private Gärtner orientierten und somit für die Verbreitung ebendieser Pflanzen sorgten.

An dieser Stelle habe ich unterbrochen, der Artikel würde sonst zu lang. Es werden also noch mindestens zwei weitere Artikel über den Bärlauch folgen. Der Bärlauch war eine der ersten Pflanzen, mit dem ich mich an die Heilkräuter rangetastet habe. Fortsetzung folgt… 😉

Links:
BIOZAC – Die Kapitel des Capitulare de villis
Mittelaltergazette – Capitulare de villis vel curtis imperii

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8 Kommentare zu „Bärlauch-Geschichten

    1. Sammeln ist doch immer gut.Wir haben noch soviel Pesto vom vergangenen Jahr, dass uns heuer ein bisserl Bärlauch für Butter oder Suppe langen wird. 😉

      Knoblauchrauke hat sich nach meinem Wissen tatsächlich als (evtl. irreführende) Bezeichnung für den Bärlauch eingebürgert (u.a. auch hier nachzulesen -> http://lexikon.huettenhilfe.de/kraeuter/baerlauch/synonyme-und-namen.html). Wie es dazu kam, kann ich nicht sicher sagen.Hat sich möglicherweise eingeschlichen wegen der teilweise entfernt ähnlichen Heilwirkung.

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  1. Hallo!

    Das sind ja sehr interessante Informationen, die Du da zusammen getragen hast.

    Bei uns gibt es heute zu Mittag auch Bärlauch, den habe ich im Garten gepflückt. Ich freue mich schon jedes Jahr darauf.

    Im Geschäft in Plastik verpackt habe ich ihn gestern auch gesehen…

    lg
    Maria

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    1. Es kommt noch mehr, über Kräuter könnte ich schreiben bis zum ‚geht nicht mehr‘. 😉
      Wenn bestimmte Themen dazu interessieren, lass es mich wissen.

      Ich hoffe auch seit Tagen auf frischen Bärlauch. Aber hier ist ständig Regen, keine guten Erntebedingungen. Also müssen noch die Vorräte von der letzten Ernte herhalten.

      Kaffeegrüße von der Rabin ^^

      Gefällt 1 Person

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