Bärlauch-Geschichten Teil III

Ring frei zur dritten Runde. Danke erst einmal an die Kommentare und Like’s. Ein bisserl unsicher ist ‚frau‘ ja schon, ob die Pläne auch über Kräuter zu schreiben, taugen. Aber bis jetzt kommt noch kein Veto und da freut sich das Rabinnen-Herz. 😉
Also danke und weiter geht’s.

Wie beim Knoblauch haftet dem Bärlauch der Ruf an, Vampire zu vertreiben. Was bei dem intensiven Geruch auch kein Wunder sein dürfte. Dämonen bis hin zum Teufel, Hexen und Schlangen sollen sich mit Bärlauch ebenfalls vertreiben lassen. Böse Geister sollen mit einer Bärlauchsuppe auf Abstand zu halten sein – vorausgesetzt, sie ist in der Walpurgisnacht (Beltaine) gekocht worden oder die Kräuter sind vor der Walpurgisnacht gesammelt worden. An Tiere verfüttert, greift die abwehrende Wirkung auch hier. So gesehen die klassische Schutzpflanze.

Diese Eigenschaft zeigt sich auch im Ramschelfest, dass bis ca. Anfang des 20. Jahrhunderts in Thüringen gefeiert wurde. Am Sontag vor Walpurgis wurde Bärlauch (= Ramschel) gesammelt, gegessen, getrunken und vermutlich das Dorf geschmückt mit dem Ziel, damit böse Geister zu vertreiben. Der Zeitpunkt war deswegen entscheidend, da in der Walpurgisnacht die Heilkraft des Bärlauchs gegen böse Geister etc. zerstört wird (durch Hexen, die in der klassischen Hexennacht aktiv sind). Oder einfacher aus dem Grund, dass die Pflanze Ende April/Anfang Mai auf der Höhe ihrer Wirkungskraft ist.

Darüberhinaus taucht der Bärlauch kaum im Aberglauben auf. Mal abgesehen von Liebeszaubern, für die der Bärlauch ebenfalls schon zu Zeiten der Römer Verwendung gefunden hat.

Es gibt also genügend Raum, über die Verwechslungsgefahr mit Maiglöckchen und Herbstzeitlose zu schreiben. Beide sind hochgradig giftig.

Die Blätter des Maiglöckchens haben eine breite lanzettartige Form, oft einen violett-rötlichen Stängel und wachsen in der Regel paarweise mit je einem Blütenstengel dazwischen. Dazu sind die Blätter fester als Bärlauch-Blätter, weshalb sich die Maiglöckchen-Blätter auch nicht nach unten biegen. Wie der Name schon sagt, gleichen die weißen Blüten kleinen Glöckchen. Die Maiglöckchen-Früchte sind erbsengroße rote Beeren. Blütezeit ist etwa von Ende April/Anfang Mai bis Juni, Fruchtzeit von Juli bis September.
Die komplette Pflanze ist stark giftig und steht zudem unter Naturschutz. Auch Trocknung ändert die Wirkung der Giftstoffe nicht.

yummy and deadly 2013-05, 2 picsQuelle: Flickr, Klasse im Garten

Die Blätter der Herbstzeitlosen sind lanzenförmig variierend von schmal bis breit geformt, spitz zulaufend und haben kaum einen Stiel – sie sind fast ungestielt. Die krokusähnlichen rosa bis violetten Blüten kommen erst im Spätsommer/Herbst zum Vorschein (Ende August bis Oktober/Anfang November), wenn die Laub-Blätter kaum zu sehen sind.
Die komplette Pflanze ist sehr stark giftig durch das hochwirksame Zellgift Colchicin. Beim geringsten Verdacht einer Vergiftung muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

yummy and deadly 2011-04, 2 picsQuelle: Flickr, Klasse im Garten

Die Möglichkeit, den Bärlauch anhand seines sehr intensiven Geruchs zu unterscheiden, greift nur bedingt. Hat man den Geruch erst einmal an den Fingern oder in der Nase, so nimmt man für eine gewisse Zeit keinen (anderen) Geruch mehr wahr – womit diese Möglichkeit sich von selber ausschließt. Wenn man sich bei der Unterscheidung der einzelnen Pflanzen nicht sicher ist, ist es auf jeden Fall besser, auf das Selberpflücken zu verzichten und auf sichere (Kauf-)quellen zurückzugreifen.

Was den Fuchsbandwurm angeht, vermeiden Füchse in der Regel das Betreten eines Bärlauchfeldes, da sie den intensiven Geruch als unangenehm empfinden. Um auf Nummer Sicher zu gehen, kann man den Bärlauch abkochen. Dadurch wird evtl. vorhandener Eierbefall vernichtet mit dem relativ kleinen Haken, dass sich gleichzeitig die Geschmacksintensität des Bärlauchs vermindert.

Ich für meinen Fall verwende ein stark konzentriertes Bärlauch-Pesto – über Mangel an Geschmack kamen bisher noch keine Klagen auf. 😉

Zur Vollständigkeit wird noch angemerkt, dass dieser Artikel keine Garantien oder Gewährleistungen liefert. Weiter geht es mit Teil IV – Bärlauch als Heilkraut und Nutzpflanze. Mit etwas Glück werde ich schneller zum Schreiben kommen.

Links:
Bärlauch-Geschichten Teil II
Bärlauch-Geschichten Teil I
Botanikus – Maiglöckchen
Gifte.de – Herbstzeitlose
Gifte.de – Maiglöckchen
Naturschutz-Akademie Hessen – Die Herbstzeitlose

Heilkräuter.de – Herbstzeitlose
Heilkräuter.de – Maiglöckchen

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8 Kommentare zu „Bärlauch-Geschichten Teil III

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