Bärlauch-Geschichten Teil IV

Wie angekündigt, Bärlauch als Nutz-, Heil- und Genußpflanze.

Neben seinen kulinarischen Eigenschaften ist der Bärlauch für seine Eigenschaften als Heilpflanze zu achten. Zwei Spruchweisheiten lassen sich dazu nennen.

Iß Lauch im März, wilden Knoblauch (Bärlauch) im Mai,
dann haben die Ärzte das ganz Jahr über frei.
(Bauernregel)

Bärlauch essen ist unter 40 freiwillig, über 40 Pflicht.

Zwiebeln, Blätter, Blüten und sogar die Stiele sind essbar. Geerntet werden können die Blätter meistens von März bis Mai. Ob der Bärlauchgeruch mit der Blüte strenger oder milder wird, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Es gibt ebenfalls die Aussage, dass der Bärlauch bis zur Blüte besonders intensiv duftet, um schwächenden Insektenbefall und Eiablage zu vermeiden. Nachdem ich den intensiven Bärlauchgeruch ab Mai immer seltener wahrnehme, könnte das durchaus möglich sein. Dazu kommt, dass die Bärlauchblätter nach dem Beginn der Blüte einen bitteren Geschmack entwickeln sollen (ich selber habe mit der Blüte keinen Bärlauch mehr gesammelt).

Ist man sich der Herkunft des Bärlauchs sicher, können die Blütenknospen geerntet werden. In der Küche können die Blütenknospen als Kapernersatz eingelegt verwendet werden.

Ab Ende Mai könnten die Zwiebeln geerntet werden. Zumindest theoretisch. Praktisch sollte man die meist wildwachsenden Pflanzen besser nicht ausgraben, um auf lange Sicht den Bestand zu schonen. Wenn es gelungen ist, den Bärlauch im eigenen Garten anzusiedeln, sieht die Sachlage anders aus. Dazu können Zwiebeln im Herbst im Garten eingesetzt werden. Die Bärlauchzwiebeln können wie Antipasti in Essig, Öl, Salzlake eingelegt oder als pfefferartiges Speisegewürz verwendet werden.

Die grünen ausgereiften Samen können im Juni geerntet und getrocknet werden und ähnlich wie Pfeffer in der Küche verwendet werden. Hier fehlt mir zwar die praktische Erfahrung, aber interessant wär’s schon.

Überhaupt gibt es in der Küche sehr breitgefächerte Verwendungsmöglichkeiten. Besonders, seit der Bärlauch allgemein so bekannt und beliebt ist. Rezepte gibt es mehr als ausreichend. Ich begnüge mich in der Regel damit, im Frühjahr eine eigene Variante von Bärlauch-Pesto herzustellen. Mit Öl und Pinienkernen hält es sich problemlos über mehrere Jahre und kommt in Suppen und Saucen zum Einsatz. Die Wirkstoffe bleiben auf diese Weise ebenfalls gut erhalten.

Im Mittelalter und ebenfalls bei den Germanen wurden Bärlauch oft gegessen. Im Mittelalter wohl auch gern vom Adel, worauf sich möglicherweise der Begriff ‚Durchlaucht‘ gründet (aufgrund des intensiven Geruchs). Der praktische Grund findet sich darin, dass der Bärlauch Gifte und Schwermetalle aus dem Körper leiten kann und damit auch vor Vergiftungen schützen sollte.

Diese Eigenschaft findet ihre Entsprechung auf der seelischen Ebene. Körperlich reinigt das Heilkraut von Giften und Schlacken, seelisch von verborgenen Hinterhältigkeiten, Intrigen. Etwas genauer wurde das im 3. Teil beschrieben.

Als Heilpflanze findet der Bärlauch seine beste Anwendung in der Frühjahrszeit, nach Geschmack auch in der Neun-Kräuter-Suppe. Der Grund liegt auf der Hand. Bärlauch wirkt u.a. anregend, antibiotisch, blutreinigend, blutdrucksenkend, entzündungshemmend, entschlackend, harn- und schweißtreibend und schleimlösend. Genau das Richtige für eine erste reinigende Frühjahrsmahlzeit nach der langen Winterzeit.

Bereits die Römer kannten den Bärlauch als Herba salutaris (= heilsames Kraut). Sie schätzten ihn als magen- und blutreinigendes Mittel und schrieben ihm heilsame Wirkung bei Bluthochdruck, Bronchitis, Hautleiden und Müdigkeit (Frühjahrsmüdigkeit) zu.

Ebenso kann der Bärlauch hilfreich sein bei Appetitlosigkeit, Arteriosklerose, zur Anregung des Stoffwechsels, Durchblutungsförderung, Senkung des Blutzucker-/Cholesterinspiegels, Stärkung des Immunsystems, bei Fieber, Leberleiden, Verdauungsbeschwerden. Die Liste könnte noch ein gutes Stück länger sein, allerdings sind die Bärlauch-Geschichten auch so schon lang genug. 😉

‚Kann‘ deswegen, weil es weder in der Naturheilkunde noch in der Schulmedizin eine wie auch immer geartete Garantie für einen positiven Effekt geben kann.

Die Liederhandschrift der Edda nennt den Lauch mehrmals als wertvollste der Pflanzen, die auf der Erde als erstes Gewächs nach der Entmachtung der Frostriesen und dem Auftauen wuchs. Es gibt auch eine Lauchrune, die Rune Laguz. Darüber gibt es auch wieder soviel zu berichten, dass ich es bei der Erwähnung lasse. Vielleicht schreibe ich irgendwann extra dazu einen Artikel.

An dieser Stelle sollte ich wohl danken für die Aufmerksamkeit für alle, die bis hierher durchgehalten haben. Hätte ich gewußt, wie ausführlich diese als einmaliger Text geplante Mini-Reihe wird, hätte ich wohl die Finger davon gelassen. 😉 In nächster Zeit werde ich mich vermehrt auf andere Themen werfen, die Bärlauch-Geschichten waren schon sehr zeitintensiv.

Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, wie bei jeder anderen Pflanze gäbe es über den Bärlauch noch sehr viel mehr zu erzählen. Und auf keinen Fall kann dieser Artikel einen Gang zum Arzt ersetzen.

Links:
Bärlauch-Geschichten Teil III
Bärlauch-Geschichten Teil II
Bärlauch-Geschichten Teil I
Sonjawatt.com – Bärlauch
Wild und frei – Bärlauch

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2 Kommentare zu „Bärlauch-Geschichten Teil IV

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