Auf die jüdische Küchen-Kultur

Bittermandel und Rosinen von Salcia Landmann
Flexibler Einband, 382 Seiten
Erweiterte Auflage von Mai 1988
Ullstein Verlag
ISBN: 3-548-20922-X

Jüdisch ist wohl mit das meistbelastete Wort, dass man sich denken kann. Ich schätze mal schwer, dass die damit verbundenen Altlasten nie ganz verschwinden werden. Was eigentlich kompletter Blödsinn ist. Dass die jüdische Kultur viel mehr ist als das wenig allgemein Bekannte, zeigt lustigerweise ein altes Kochbuch.

Salcia Landmann persönlich kennenzulernen, wäre sicher ein interessantes Erlebnis gewesen. Leider ist sie am 16. Mai 2002 in St. Gallen (Schweiz) gestorben. Geboren wurde sie am 18.11.1911 in Zolkiew (Galizien, heute Ukraine) und lebte in St. Gallen nach einem ausgiebigen Studium (Philosophie, Psychologie, Kunstgeschichte und Jura und Modegrafik an einer Kunstakademie). Geschrieben hat sie hauptsächlich über Sitten, Sprache und Besonderheiten der ostjüdischen Kultur. Und beim von mir gelesenen Buch ‚Bittermandel und Rosinen‘ auch über die berühmtesten Rezepte der jüdischen Küche.

Wenn man es genau bedenkt, paßt dieses Buch perfekt in die heutige Auflage von Kochbüchern, dabei ist es bereits 1988 erschienen.

Erst einmal wird ausführlich über die jüdische Kochkunst erzählt, was koscher bedeutet und wie die jüdischen Speisegesetze ablaufen können. Da gibt es wohl ähnlich viel verschiedene Auslegungsvarianten wie bei christlich orientierter Küche. Und ich zumindest wollte schon immer wissen, was genau unter ‚gefilte Fisch‘ zu verstehen ist. Spätestens seit ich bei Asterix darüber gelesen habe.

Frau Landmann besticht durch ihre ganz eigene Ausdrucksweise, die sich selten ein Blatt vor den Mund nimmt, wodurch das Buch weit über ein Kochbuch hinausreicht. Eine feingeschliffene Zunge, die aufzeigt was der alten Dame gefiel oder mißfiel. Sie nennt ihre persönlichen Lieblingsrezepte, die auch gerade wegen dem Urteilsvermögen, dass ich ihr beim Lesen immer mehr zuspreche, zum Nachkochen einladen.

Der Witz kommt dabei auch nicht zu kurz. Ebensowenig die Liebenswürdigkeit, die sich in den Zeilen finden lässt.

Zur Qualität der alten jüdischen Küche einige Judenwitze (S. 14) – auch gnadenlos solche über die sog. Freßfrömmigkeit.

Schon mit den ersten Seiten war ich restlos gefangen und wollte das Buch nur beiseitelegen, wenn es gar nicht anders ging.

Dazu ist es spannend zu lesen, wie viele jüdische Spezialitäten sich erst in der amerikanischen und zwischenzeitlich auch (wieder) in der europäischen Küche finden: Beispielsweise das Pastrami (ursprünglich aus der rumänisch-jüdischen Küche).

Danach erst kommt das Vorwort. Normal bin ich kein großer Fan von Vorwörtern, dieses habe ich verschlungen. Überhaupt ist das Buch für mich eine perfekte Mischung zwischen persönlichen Ansichten zu Gott und der Welt, Witz mit Verständnis für Leute, die keine Zeit für viel Aufwand beim Kochen haben (oder keine Lust), Einblicke in die alte ostjüdische Kochkultur mitsamt spannenden Einblicken in die Historie der einzelnen Gerichte, die teilweise einen wirklich weiten Weg zurückgelegt haben. Auch die (vermutlichen?) Ursprünge der koscheren Küche kommen nicht zu kurz.

Kurz und gut: Ich habe bei dieser Lektür mehr über die ehemalige ostjüdische Kultur erfahren als es jede Schullektüre ermöglicht hätte. Und ganz nebenbei den Wunsch entwickelt, mich am Liebsten durch das komplette Buch zu kochen. Oder zumindest durch den größten Teil, einiges ist doch sehr arbeitsextrem. Für mich gelten eben auch die Rezepte für Singles, Eilige und Faulpelze. 😉

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2 Kommentare zu „Auf die jüdische Küchen-Kultur

    1. Ich freu mich, wenn es gefällt und drücke sämtliche Daumen. Vielleicht läuft es dir ja auch über den Bücherschrank über den Weg – so wie mir.

      LG und danke für den Kommentar 🙂

      Rabin

      Gefällt mir

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