Was geht mit Kräutern

Was sich alles beim Aussortieren einfindet, ist wirklich erstaunlich. Kleine und feine Büchlein, die durchaus ihre lesenswerte Berechtigung haben. Beispielsweise das gerade mal handtellergroße Heilkräuterbüchlein.

Heilkräuterbüchlein

Kräuterheilkunde ist ein altbewährtes und immer wieder gern aufgegriffenes Thema. Da nimmt es Wunder, dass Kräuter es stellenweise immer noch schwer haben zu bestehen. Lange Rede, kurzer Sinn – Kräuter sind vielseitig in ihrer Wirkung und Kräuter-Tee ist gerade mal die Spitze des Eisbergs an Möglichkeiten.

Tinktur:
Dabei handelt es sich um einen Kräuterauszug mit Alkohol.
Die Kräuter werden locker in ein helles Glas gefüllt und mit 36- bis 40-prozentigem Doppelkorn übergossen. Gut verschließen an einem warmen sonnigen Platz stehen lassen, 1 x tgl. schütteln. Die Vorbereitungsdauer kann schwanken zwischen 10 Tagen bis zu sechs Wochen. Je länger der Ansatz stehen bleibt, desto stärker wird die fertige Tinktur. Den Auszug durch ein Leinentuch oder einen Kaffefilter filtern und in dunklen Gläsern lichtgeschützt aufbewahren. Mit Datum und Inhalt beschriften. Kann direkt eingenommen oder für bsp. für Salben weiterverwendet werden.

Salbe:
Zur Salbenherstellung gibt es mehrere Möglichkeiten, die evtl. nicht für jeden von Interesse sind. Bsp. wird ein Veganer kaum eine Salbenrezept mit Schweineschmalz als Basis nehmen wollen.

Salbe mit Schweineschmalz:
Das wohl traditionellste Rezept, weil früher keine anderen Grundstoffe zur Verfügung standen. Bienenwachs bsp. war zu teuer und für Kerzen vorbehalten.

Das Schmalz in kleine Stücke schneiden, in kleinem Topf bei niedriger Temperatur vollständig schmelzen lassen, erst dann die Kräuter zugeben und unterrühren. Das Schmalz auf kleinster Flamme ca. 30 Min. köcheln lassen. Über Nacht einwirken lassen und am nächsten Tag nochmal aufwärmen. Abschließend wie oben beschrieben filtern und abfüllen.

Salbe mit Pflanzenfett:
Pflanzenfett wie das Schmalz zerkleinern, mit Pflanzenöl in einen kleinen Topf geben. Die kleingeschnittenen Kräuter zugeben und alles auf kleiner Flamme vollständig schmelzen lassen. Wie oben beschrieben 1/2 Stunde köcheln lassen. Ab hier ist die Vorgehensweise mit der oben vorgestellten Salbe auf Schmalzbasis identisch.

Salbe mit Bienenwachs:
Kräuter / Blüten im Topf mit einem hochwertigen Öl bedecken, Kakao- oder Sheabutter zugeben. Wieder alles bei niedriger Temperatur schmelzen und 30 Min. köcheln lassen. Auf ca. 50° abkühlen lassen, damit das nachfolgende Gefäß nicht wegen zu großer Hitze springt (kann auch in einen tiefen Teller mit Wasser gestellt werden). Wie gewohnt abfiltern. Die gefilterte Mischung mit Bienenwachs in ein hitzebeständiges Glas geben und in einen mit Wasser gefüllten Topf geben (Wasserbad), bis das Wachs ebenfalls geschmolzen ist. Die fertige Masse in Salbentöpfchen möglichst bis zum Rand abfüllen und aushärten lassen (6 bis 12 Stunden).

Kräuteröle:
Hierfür gibt es zwei Ansatzmöglichkeiten, abhängig von den verwendeten Kräutern. Die bekanntere dürfte der kalte Ansatz sein, mit dem ich auch mein Johanniskraut-Öl ansetze. Getrocknete Kräuter und manche Blüten (nicht alle!) sind für diese Variante geeignet.

Blüten oder zerkleinerte Kräuter locker in ein Glas füllen, mit einem guten Öl übergießen (bsp. Olivenöl), verschließen und zwei bis drei Wochen an einem sonnigen Platz stehen lassen, ggl. durchschütteln. Danach in ein 2. Glas filtern. Das funktioniert am Besten mit einem Trichter und bsp. Kaffeefilter. Das Öl durchtropfen lassen und in dunklen Gläsern lichtgeschützt lagern. Eignet sich zur direkten Verwendung oder Weiterverwendung in Salben bzw. Cremes.

Kräuterwein:
Kräuter locker in ein möglichst großes Ansatzgefäß mit entsprechender Öffnung geben und mit Alkohol überschütten. Hier geht z.B. Weißwein, Korn, Wodka. Bei Zimmertemperatur eher dunkel stellen und wieder tgl. aufschütteln. Wie bei der Tinktur wird der Ansatz stärker, je länger er durchziehen kann. In Flaschen abfiltern und beschriften. Wichtig hierbei: Ein guter Kräuterwein kann sehr stark sein und ist daher besser in kleinen Mengen zu genießen. Ein/zwei Stamperl oder einen Teelöffel in den Tee. Neben der gesundheitlichen Wirkung ein echtes Genußmittel.

Das war’s für Heute, beim nächsten Mal mehr. 😉

Informationsecke:
Heilkräuterbüchlein von Tassilo Wengel (ältere Ausgaben von Gerhard Siegel)
Fester Einband, 128 Seiten
Ausgabe von 1996 (3. Auflage), aktuelle Ausgabe von 2014
Buchverlag für die Frau
ISBN: 3-7304-0348-6
Aktuelle ISBN: 9783897980723

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11 Kommentare zu „Was geht mit Kräutern

  1. Es gibt ja Handschuhe liebe Rabin, die schützen deine empfindlichen Hände vor den wehrhaften Brennnesseln. 😉 Viel Spass am Sammeln und Genießen von Brennnesseln… ich freu mich schon wieder darauf. Lieben Gruß, Alexia, vom landkräuterblog

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    1. Wäre natürlich auch eine Idee. Ich habe irgendwo gehört, wenn man die Nesseln jung sammelt und von unten her zugreift, legen sich die Brennhärchen harmlos um. Probiert habe ich es allerdings noch nicht. 😉

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      1. die jungen brennen auch…. aber wenn du Brennnesseln im allgemeinen so wie du es beschrieben hast von unten fest angreifst, brennen sie nicht mehr, da du damit die „Brennhärchen“ abbrichst. 😉

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  2. Das ist ja ein schöner Beitrag! Ich bin ja eh neben meiner Leseleidenschaft so eine Küchenelfe und Kräuterhexe. Ich freue mich im Moment schon ganz arg auf die frischen Brennesseln….hmmmmm….

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