Internationaler Museumstag

Es gibt spezielle Tage für alles mögliche: Tag es Buches, deutscher Mühlentag, den Towel-Day (ein Gedenktag für den britischen Autor Douglas Adams, der übermorgen stattfindet)und gestern den internationalen Museumstag.

Der Museumstag findet seit 1978 jedes Jahr statt mit dem Ziel, auf die Vielfältigkeit der Museen aufmerksam zu machen. Davon gibt es immerhin über 6.500 allein in Deutschland.

In unserem Fall lief es auf einen Nachmittag am Roten Turm zu Wimpfen heraus.

Roter Turm in Bad Wimpfen© by Roger W

Der Name gründet sich auf das ehemals rote Ziegeldach. Erbaut wurde der rote Turm als Bergfried an der Ostseit der Wimpfener Pfalz schätzungsweise zwischen 1170 bis 1180 n. Chr. Er ist 23 Meter hoch und verfügt über eine Grundfläche von ca. 10 x 10 m. Die ursprüngliche Höhe von 19 Metern wurde im späten Mittelalter auf das heutige Maß aufgestockt.

Der aufwendige Innenausbau mit Kamin, div. Nischen und Aborterker weist deutlich auf seine Aufgabe als möglichen letzten Zufluchtsort des Burgherren hin. Heute findet sich in dem restaurierten Gebäude die umfangreiche Ausstellung einer Wachstube um 1200 mit Rüstungen, Waffenrepliken und dem damals üblichen Keramikgeschirr.

Während des dreißigjähren Kriegs, genauer im Jahr 1645 brannte der Turm bis auf das Mauerwerk aus. Während des 2. Weltkrieges dienten die beiden unteren Geschosse als Luftschutzbunker.

Unterhalb des Roten Turmes lagerte zu diesem Anlaß eine mittelalterliche Gruppe vier Zelten. Genau genommen kamen Besucher quer durch alle Jahrhunderte. Angefangen mit dem etwa 11. Jahrhundert über das Ende des 16. Jahrhunderts bis kurz vor der Renaissance.

An der Seite das Roten Turmes hatte zwei Schmiede ihren Blasebalg nebst Feuerstelle und Amboss aufgebaut. Auch zu bewundern waren einige sehr schöne Waffenrepliken des späten Mittelalters sowie Gebrauchsgegenstände dieser Zeit (Sichel etc.), von denen wir kaum wegzubringen waren.

Natürlich entspann sich zwischen dem Schmied und uns ein angeregtes Gespräch über das Schmieden, speziell über die Materialien, die er für die einzelnen Repliken verwendet hatte. Dabei kam die Unterhaltung auch auf den berühmten Damaszener Stahl. Der Schmied hatte mehrere Messer mit dem Damaszener Muster aus Feilenstahl plus Baustahl (ST 37) gefertigt.

Die inzwischen ausgeschöpften Lagerstätten (Bergwerke), in denen das Damaszener Erz abgebaut wurde, befanden sich in Mesopotamien (heutiges Grenzgebiet zwischen Syrien und dem Irak). Das heutige Damastieren ist vielmehr ein Einbringen des gefalteten Materials in Säure, wobei sich die bekannten Wellenmuster herausbilden.

Das damalige Erz war sehr schwefelarm, so dass ein gleichwertiger Stahl heutzutage kaum noch finanzierbar herzustellen ist, da der enthaltene Schwefel der heutigen Erze aufwändig herausgebrannt werden müsste.

Auf der anderen Seite des Roten Turms stand ein mittelalterlicher Bogenschütze mit zwei Langbögen und entsprechenden Pfeilen. Auch hier wurde natürlich über die englischen Langbögen und ihre Durchschlagskraft gefachsimpelt. Auch die berühmte Schlacht auf französischen Boden bei Agincourt, in der 6.000 englische Bogenschützen das überlegene französische Heer buchstäblich in Grund und Boden stampften, wurde angesprochen.

Was kann man noch sagen? Die Zeit verging viel zu schnell, es wurden viele Erfahrungen ausgetauscht, Kontakte geknüpft und der Rote Turm zu Wimpfen ist ein lohnendes Ziel für einen Ausflug in vergangene Zeiten.

Info-Ecke:
Manufactum – Damaszenerstahl. Mythos und Technik

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