30 Jahre IG Wolf und die Ronneburg

Die Ronneburg findet ihre meines Wissens erste urkundliche Erwähnung 1231 und gehört zu den Sicherungsburgen, die von den Staufern ‚in Auftrag‘ gegeben wurden. 1476 kommt die Burg in den Besitz der Fürsten zu Ysenburg und Büdingen und wurde im 16. Jahrhundert durch umfangreiche Umbauten zum heutigen Stand gebracht. Damit ist die Ronneburg eine der wenigen im Bauzustand des 16. Jahrhunderts erhaltene Höhenburg. Überhaupt blickt die Burg auf eine sehr abwechslungsreiche Geschichte zurück und ist für sich allein schon einen oder besser mehrere Besuche wert. Wir sind schon öfter dort gewesen und entdecken doch jedes Mal wieder etwas Neues.

Das 30-jährige Jubiläum des Vereins IG Wolf und die damit verbundene Darstellung wie anlässlich besonderer Feiertagen auf den Burgen gelebt wurde – der perfekte Grund, wieder einmal nach Hessen zu fahren. Auch wenn ein Tag im Nachhinein doch kaum für das Notwendigste gereicht hat. 😉

Christliche Choräle klingen schon beim Eintreffen aus dem offenen Fenster und weisen uns den Weg in den ersten Stock. Den Mönchen und Nonnen bei ihren gregorianischen Gesängen zu lauschen, gibt ein schönes Gefühl, wie es zu früheren Zeiten zu den Gebetsstunden gewesen ist. Gefolgt von ersten spannenden Gesprächen mit Carsten über die Entstehungsgeschichte der gregorianischen Gesänge (Danke noch einmal für die Zeit und für die extra vorgetragenen Gesangsausschnitte, ich hatte viel Freude 🙂 ). Schon hier hätte ich mich noch ein gutes Stück länger aufhalten können – gleichzeitig gibt es noch so vieles zu sehen, daß es uns doch weiterzieht.

Meine Reisepartnerin zieht es zu einem mönchischen Schriftgelehrten, mit dem es zu langen Gesprächen über die von ihm kopierte Magna Carta mitsamt Nachbildung des Originalsiegels kommt. (Hierzu folgt noch ein extra Bericht).

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Mich selber hält es bei alten Skizzenzeichnungen für geplante Kirchen- oder Klosterbauten. Ganz anders als in heutigen Zeiten waren die damaligen Baupläne ausschließlich zweidimensional gezeichnet – und dennoch wußten die Baumeister um die Notwendigkeit der Krümmung des Bogens, damit sich die Steine gegenseitig Halt gaben und sich das Gewicht gleichmäßig auf die Säulen verteilen konnte. Wenn man sich einmal seit Jahrhunderten stehende sakrale Gebäue betrachtet, ist die Baukunst früherer Zeiten einfach nur beispiellos.

 photo b4a59598-2b08-4bfd-a85e-279ec3f1f766_zps3nvpyxy8.jpgDie beiden Entwürfe entsprechen nicht den Originalen des 12. Jahrhunderts, unabhängig davon haben mir die Arbeiten sehr gefallen.

Vielleicht ergibt sich für mich bald einmal die Gelegenheit, das Gespräch fortzuführen. Genau genommen hat uns auch nur der Hunger fortgetrieben.

Randbemerkung: Das Gemüsecurry war zuerst Anlass für allerlei Skepsis, allerdings völlig ungerechtfertigt. Zwei Worte hierzu: Jederzeit wieder.

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Genußvolles Essen auf der Sonnenterasse zusammen mit intensiver Fachsimpelei über Schreibwerkzeuge des 12. Jahrhunderts und den damaligen ‚Notizbüchern‘ – zwei miteinander verbundenen Holztafeln, die innen mit geschwärztem Bienenwachs belegt waren.

Beim Aufsetzen von Schriftdokumenten gab es keine Spur von kompletten Federn. Vielmehr wurde ausschließlich mit den Federkielen geschrieben.

Leider habe ich es während der Gespräche versäumt, ein Bild davon zu machen. Glücklicherweise habe ich diese alte Zeichnung gefunden, die euch eine ungefähre Vorstellung liefern kann.

Stäps - Canzleymäßige Schreibe-Kunst 1784„Das Schneiden und Halten der Feder“ aus: Johann Stäps: Selbstlehrende Canzleymäßige Schreibe-Kunst. Leipzig 1784

Schuhmacher, herrlich verzierte Messerscheiden, aufwändig gearbeitete Kettenhemden, wie sie schon bei den Kelten bekannt waren – es gab wahrlich mehr als genug zu sehen. Von den vielen Gesprächen ganz zu schweigen.

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Ein ganz besonderer Höhepunkt war die Küche. Wann hat man schon einmal Gelegenheit, bei der Zubereitung eines Festmahls im 12. Jahrhundert Mäuschen zu spielen? Und einmal gehört zu haben, wie zeitintensiv die Vorbereitungen sind – danach kommen einem ein paar Stunden Vorbereitungen geradezu lächerlich einfach vor. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive. 😉

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