Wien und der Stephansdom

Einen Tag waren wir in der alten Kaiserstadt. Gerade genug, um ein wenig die Straßen entlang zu flanieren, hinter die Kulissen der Stadt zu spicken und in Gedanken eine Wunschliste für den nächsten Besuch zu machen.

Beispielsweise die Hofreitschule und die Kaiserliche Hofapotheke stehen ganz oben auf der Liste.

Oder ein zweiter Besuch auf dem Südturm des Stephansdoms.
343 Stufen sind’s, bis man ganz oben ist auf dem Steffl. Und jede Pause lohnt sich, für den Blick über die Stadt und die vielen Details auf dem Weg nach oben.

An der Spitze angekommen landen wir völlig unerwartet in den Türmerstuben. Unerwartet deswegen, weil ich ganz ungeplant die Treppen hochgeschubst wurde und demzufolge völlig unvorbereitet das Schild Türmerstuben entdeckt hatte.

Der Türmer lebt zwar schon lange nicht mehr dort, genaugenommen seit Februar 1956. Aber sein Nachfolger erzählt viel über die Geschichte des Stefansdoms und von Wien. Auch davon, wie die Türken anno 1683 beinah die Stadt überrannt hätten und im buchstäblich letzten Moment von Prinz Eugen von Savoyen (unter Karl von Lothringen und dem polnischen König Jan Sobieski III) aufgehalten wurden. Dabei liefen schon die Wetten heiß, ob das Heer wirklich kommen würde oder ob es nicht besser angeraten sei, das heiße Pflaster zu verlassen.

 photo 7609a7f4-d918-4a60-b1aa-77e7918e5eec_zpszzwxnvzc.jpgMit diesem Sprachrohr gab der Türmer Warnung, wenn Gefahr im Verzug war. Bei Feuer oder wenn die Stadt angeriffen wurde. Bei einem Brand gab es nebem dem akustischen Alarm zwei zusätzliche visuelle Feuersignale: Tagsüber schwenkte der Türmer eine rote Fahne mit dem Bild von Maria Pócs, nachts wurde eine Signallaterne in die Richtung geschwenkt, in der das Feuer ausgebrochen war.

Es gibt sie also irgendwie doch noch: Drei ‚Türmer‘, die hier oben abwechselnd Dienst tun und noch viel mehr über den Dom und das Domkapitel zu erzählen haben.

Oder über die Dombauhütte. Unser ‚Türmer‘ (leider habe ich den Namen vergessen) erzählt, dass alle Mitarbeiter der Dombauhütte jeden Tag zu Messe gehen und die Losung des Tages hören. Erst dann geht es zur Arbeit.

 photo 2d9e7351-85c5-4495-ad88-65892c0616c2_zpsl1eqridy.jpgDer Blick nach oben, kurz bevor wir ganz oben im Südturm waren.

Mit ein wenig Recherche lässt sich rausfinden, dass die erste romanische Kirche 1147 geweiht wurde. Im 13. Jahrhundert kam es zu den ersten Umbauarbeiten und auf dem Regensburger Bauhüttentag von 1459 wurde die Wiener Dombauhütte als die bedeutendste im südöstlichen Mitteleuropa bezeichnet.

Eine richtig alte Tradition, die uns da mal eben so erzählt wurde.

Wenn ich es genau bedenke, werde ich sicher noch einmal den Dom besuchen. Nicht nur wegen der vielen alten Kunstwerke oder der Ausblicke – auch wegen der Gespräche, die einen dort überraschen können.

Info-Ecke:
Turmbesteigung Stüdturm (Steffl)
ganzjährig, täglich
Montag-Sonntag 9:00 – 17:30 Uhr
Keine Anmeldung erforderlich.
Erwachsene 5 Euro
Schülergruppen (15-18 Jahre) 2 Euro
Kinder (6-14 Jahre) 1,50 Euro

Advertisements

3 Kommentare zu „Wien und der Stephansdom

  1. Türmer sind irgendwie etwas ganz Besonderes, ich habe eine in Bad Wimpfen getroffen, es hat mich sehr fasziniert, wie sie oben über den Dächern lebt. Schade, dass diese Tradition fast ausgestorben ist.
    Schöner Beitrag. Danke dir
    Liebe Grüße
    Andrea

    Gefällt 1 Person

    1. Ich danke für den netten Kommentar. 🙂 Türmer (und Nachtwächter) sind wirklich sehr spannend – auch was sie zu erzählen wissen. Ich für meinen Teil hoffe, noch viele besuchen zu können. Gilt auch für Handwerker, die alten Handwerkskünsten folgen. Je mehr, desto lieber.

      Gefällt 1 Person

Deine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s