Gründe der Begeisterung

84, Charing Cross Road von Helene Hanff
Fester Einband, 144 Seiten
Ausgabe vom 01.02.2002
Hoffmann und Campe Verlag
ISBN: 9783455026504
ISBN der Ausgabe von 2014: 9783455600056

Erfreut Sie kennen zu lernen Miss Hanff,

gerade Ihre Korrespondenz mit England zu gerade dieser speziellen Buchhandlung und zu Mr. Frank Doel bereitet ein ausgesprochenes Vergnügen. Bibliophil zu sein, kann einen vor ausgeprägte Herausforderungen stellen.
Ein bestimmtes Buch wird gesucht und es ist keineswegs egal, um welche Ausgabe es sich dabei handelt. Im Gegenteil, es kann nur eine bestimmte Ausgabe sein – aus einem speziellen Verlag und nur in dieser Übersetzung. Alles Andere ist nur eine Notlösung, quasi ein vorübergehender Ersatz. Und diese Buchhandlung ist der beste Freund, den es geben kann, wenn sie eben diese Bücher aufzustöbern versteht.

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Zaunreiterin’s 2015

Vieles hat sich völlig anders entwickelt als geplant.
Die Buchmesse fand ohne uns statt allen Vorbereitungen zum Trotz. Ein Rollerunfall warf alle Pläne über den Haufen mit mehr Glück als Verstand. Wir sind mit dem sprichwörtlichen blauen Auge davongekommen.

Einige alte Weisheiten, die man so schon x mal gehört hat, sind ein gutes Stück näher gerutscht:

Es bringt nichts, auf morgen zu warten. Was immer du tun willst, tu es gleich.
Erstaunlich viele Dinge gehen auch ohne oder mit wenig Geld.
Die meisten Sorgen sind unbegründet und erledigen sich von selbst.

Fakt ist, wir leben in einem reichen Land. Es ist genug da an Lebensmitteln, Kleidung etc. für jeden. Dazu kommen die Lösungen von Problemen oft von den unerwartesten Seiten.

Wie heißt es so überaus treffend: Nichts wird so heißt gegessen, wie es gekocht wird.

Meine / unsere Highlights des Jahres:

  • Barcelona – eine komplett andere Kultur und gerade einmal an der Oberfläche gekratzt. Fünf herrliche Tage und einige Denkanstöße zum nachhaltigen Reisen.
  • Slowfoodbrötchen aus erster Hand – nur ein paar Schritte vor der Haustür die leckersten Brötchen samt Brot. Gefunden durch den sprichwörtlichen Zufall. So nach und nach pilgert der halbe Ort dorthin. Alles trifft sich und zahlt lieber ‚ein paar Cent mehr und hat dafür ebbes G’scheits.‘ (Originalzitat 😉 ).
  • Kartoffeln aus 2. Wahl – ungeplant in die Finger bekommen und daraus zum Teil das Weihnachtsessen gekocht. Einmalig lecker und mir völlig unverständlich, dass sie keiner haben will?
  • Ein erster eigener Kräuterwein wurde fertiggestellt, unglaublich stark in jeder Hinsicht. Empfehlenswert in kleinen homöopathischen Dosen.

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Wurfschatten

WurfschattenWurfschatten von Simone Lappert
Fester Einband, 207 Seiten
Erstausgabe : 17.07.2014
Metrolit Verlag GmbH
ISBN: 9783849300951

Ada ist 25, Schauspielerin mit einem kleinen Engagement bei einem kleinen Kriminaltheater mit Zuschauerbeteiligung.
Und sie hat Angst. Vor Krebs, vor Naturkatastrophen, vor Unfällen, vor dem Sterben in jeder Form. Diese Angst beherrscht sie so sehr, dass sie sogar ein Stethoskop besitzen muss um sich davon überzeugen zu können, dass ihr Herz schlägt – ruhig und regelmäßig.

Diese Ängste sind so stark, dass sie in vielen Nächten nicht schlafen kann. Das Alleinsein ist kaum zu ertragen. Tagsüber helfen die Freunde und Nachbarn, die Ängste in Schach zu halten. Aber nachts – wenn die Stadt friedlich schlafen kann – muss sich Ada anders helfen. Sie ruft ein Taxi und lässt sich bis zum Morgengrauen durch die schlafende Stadt fahren. Hinter den Fenstern schlafen die Menschen und haben keinen Anteil an ihren Ängsten. So seltsam es klingen mag, die Fahrten durch die Stadt helfen – die Vorstellung der ruhenden Menschen. Sie hat keinen Anteil daran und doch ist sie – irgendwie – ein Teil der schlafenden Stadt. Sie lässt sich durch die Straßen fahren – Nacht für Nacht und entflieht auf diese Weise ihren Ängsten, mit denen sie über keinen Menschen reden kann. Weder mit ihren Freuden noch mit Nachbarn. Wer schließlich sollte auch verstehen, dass die lebenslustige begabte Ada ein verschlossenes Zimmer hat, in dem sie ihre Ängste an die Wand gepinnt hat.
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Lesemomente 2014

Dieses noch und dann ist genug mit den Rückblicken.

Für die letzte Zeit habe ich mir eine Lese-Auszeit gegönnt und mir die Zeit mit viel Nichtstun, langen Frühstücken und einigen neuen Erfahrungen in der Küche vertrieben. Die Auszeit hat gut getan und die Rezensionen, die ich noch schreiben möchte, werden auch noch drankommen.

Bis dahin zu den Buchschätzen von 2014:

43 Bücher wurden gelesen. Der größte Teil von Autoren, die zum ersten Mal gelesen wurden. Viele davon auch solche, die ihr erstes Buch veröffentlicht haben. Die Leseerlebnisse liefen von überraschend gut bis leider überhaupt nicht so wie erwartet. „Lesemomente 2014“ weiterlesen

Sasquatch, Winter und eine Suche

Schatten im Schnee von Sanna Seven Deers
Fester Einband, 152 Seiten
Erstausgabe : 27.05.2014
LittleTiger Verlag
ISBN: 9783931081966

Abenteuer auf der Beaver Creek Ranch mitten im tiefsten Winter und in Kanada auch mit der gehörigen Portion Schnee, die man sich hier nur erträumen kann.

Obwohl, wenn ich mir die Kinder so durch den Schnee stapfen sehe mit Schneeschuhen, Sonnenbrille der dunkelsten Sorte (um vor dem gleißenden Licht im Schnee zu schützen) und der Verpackung wie kleine Yetis, dann doch vielleicht ein kleines bischen weniger von der weißen Pracht.

Apropos Yetis.
Ich war sehr gespannt, ob Sanna Seven Deers in ihren Kinderbüchern auch die vertrauten Geschichten um die indianischen Mythologie mit einbindet. Ja tut sie.
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Wege in andere Welten

Alles redet über die kommende Buchmesse (wir nebenbei auch, die Vorfreude ist groß) und ich habe beim Durchsehen meiner bisher gelesenen Bücher eine Rezension gefunden, die ich euch hier vorenthalten habe. Gelegentlich nehme ich mir einfach zu viel vor und irgendetwas rutscht dann doch durch die Maschen. Ich würde ja gern sagen, es wird nicht mehr vorkommen, aber dazu kenne ich mich zu gut. ;).

Soviel zur Vorrede – das Wort geht an Fay’s Welt.

Fay und die andere Welt von Sabrina Dengel
Flexibler Einband, 280 Seiten
Erstausgabe : 05.09.2013
Schirner Verlag
ISBN: 9783843430432

Sehr abwechslungsreich kann man Fay’s Leben nun wirklich nicht nennen. Aufstehen, arbeiten, heimfahren und den Abend allein in ihrer kleinen Wohnung irgendwo in Deutschland. Mit den wenigen Worten ist das Leben im Großen und Ganzen ausformuliert. Überraschungen gibt es kaum welche und sind im Grunde auch nicht erwünscht.

Ruhig und überschaubar.

So soll das Leben von Fay nach ihren Vorstellungen sein.

Keine Überraschungen und schon gar keine unliebsamen.

Und auf gar keinen Fall negativ auffallen!

Die einzige Ausnahme stellt das Büchercafé dar, in dem Fay einen großen Teil ihrer freien Zeit verbringt und über das Lesen in fremde Welten aufbricht:

In Gedanken durchstreift sie den tropischen Regenwald, lauscht dem Schlagen der Trommeln und vergisst alles andere um sich herum.

Die ‚reale‘ Welt um sich herum bleibt bei Fay’s Reisen weit hinter ihr zurück.

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Was bringt Lucifer in die Provinz?

Luzifer und der Küster von Sabine Schulze Gronover
Flexibler Einband, 304 Seiten
Erstausgabe : 01.10.2012
Emons Verlag
ISBN: 9783897059979

Luzifer und der Küster.
Ein vergleichsweise einfacher Titel und von der Wortwahl etwas vorbehaftet.

Trotzdem genau richtig für diesen Krimi.
Soviel beißenden und knochentrocken bis sarkastischen Humor findet man sonst bestenfalls in good old England.

„Hälst du deinen Bruder für so gefährlich?“
„Er hatte eine schwarze Mamba im Keller und hat es niemandem im Haus erzählt. Wie nennen Sie das denn? Tierliebe?“ (S. 245)

Beim Lesen platze ich mitten in die Beerdigung von Rudi Kemper, seines Zeichens Sozialpädagoge. Und bin quasi hautnah dabei. Wie sonst sollte man es ausdrücken, wenn der eben Verstorbene seine eigenen Eindrücke schildert – bis hin zum Übergang in’s Jenseits.

Dort erholen sich normalerweise die eben verstorbenen Seelen, bevor sie für eine weitere Runde der Wiedergeburt zurück auf die Erde gelangen.

Bei Rudi dagegen liegen die Dinge etwas anders.
Er ist aus beruflichen Gründen hier. Ein paar Jugendliche haben sich in der jenseitigen Wellness-Oase eingeschlichen und keiner weiß, woher oder warum?

Nachdem die erhofften Erfolge auf sich warten lassen, bekommt Rudi leihweise den Körper des Küsters Christian Grothe zur Verfügung gestellt. Mit der Auflage, in Lüdinghausen zu ermitteln, was es mit den drei Störenfrieden auf sich hat und inwiefern Luzifer dabei seine Finger im Spiel hat.

Kaum wieder ‚unten‘ angekommen, stolpert Christian aka Rudi zusammen mit seinem neuen Vorgesetzten Pastor Klein über die Leiche der Putzfrau in der Sakristei.
Damit ist dann auch das eigentliche Spielfeld eröffnet.
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Lesemomente 2013

Was das Lesen angeht, war 2013 doch ruhiger als erwartet, besonders gegen Ende. Einige Schätze wurden dennoch gefunden. Ganz besondere Bücher, an deren Geschichte ich mich immer noch genau erinnere. Immerhin – 37 Bücher wurden 2013 gelesen. Die meisten davon das erste Mal, einige auch ein zweites Mal und einige wurden in Gedanken mit dem Vermerk ‚unbedingt noch einmal lesen‘ versehen.


Ein Lied über der Stadt von Ewald Arenz
Dieses Buch würde ich am Liebsten jeden Menschen in die Hand drücken. Das hier mußt du lesen! Oder du versäumst etwas. Wegen dieser Geschichte habe ich alles um mich herum vergessen und um Sekundenbreite auch den Bus verpaßt.
In meinen Augen die beste Empfehlung für ein Buch.

84, Charing Cross Road von Helene Hanff

Mit diesem Buch musste ich mich erst langsam anfreunden, was vermutlich auch die Zustimmung von Miss Hanff gefunden hätte. Das ich es auf keinen Fall in meinen Bücherreihen vermissen möchte, habe ich erst gemerkt als ein Tauschangebot aufkam. Der Tausch kam dann auch zustande. Aber ich war erst wieder zufrieden, als ich das Buch dank gewisser Kontakte wieder in das Regal stellen konnte. Ganz ähnlich wie bei diesen Briefen existiert auch bei mir eine Liste der Bücher, nach denen ich fahnde. Nur der passende Antiquariatshändler hat sich noch nicht eingefunden. 😉

Über die Briefe schreibe ich nichts weiter. Gefühlt kennt das Buch ohnehin jeder. Und falls nicht, lest es. Die Seiten sind es wert.


Mut für Zwei von Julia Malchow
Eines der Bücher, die ich 2014 noch einmal lesen möchte. So schwer in Worte zu fassen weil es mehr ist als ein gewöhnlicher Reisebericht. Schon beim ersten Lesen kamen die Hinterfragungen auf. Und wie man merkt, finde ich immer noch nicht die Worte, die dazu passen.

Im Zweifel für die größere Veränderung

Mut für Zwei von Julia Malchow
Fester Einband, 319 Seiten
Erschienen bei Malik Verlag, Erstausgabe 01.05.2013
ISBN 9783890294261
5 von 5 Sternen

„Man muss einfach aufbrechen. Der Rest findet sich irgendwie. Die größte Hürde ist der eigene Kopf!“ (S. 305)

Kann man mit einem Baby verreisen? Nicht nur zu den Verwandten im nächsten Ort, sondern weiter weg. Mit der transsibirischen Eisenbahn durch Sibirien, in die mongolische Steppe, nach China bis nach Peking.

Die erste und allgemeine Antwort ist Nein.
Aber warum eigentlich nicht?

Diese Frage stellt sich auch Julia Malchow.
Braucht ein Baby die hier als üblich angesehenen Routinen? Wo ist die Grenze zwischen der eigenen Person und dem Leben als Mutter? Wie fließend kann diese Grenze sein? Müssen die eigenen Wünsche hinter dem Kind zurücktreten?

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Weniger ist mehr

Nach dem japanischen Ideal der Schlichtheit hänge ich dem Prinzip an, daß ein Raum dadurch besticht, wie wenig in ihm zu sehen ist.
Damit noch Platz zum Atmen gefunden werden kann.

Gleiches gilt auch für meine Bücherregale. Zumindest in der Theorie. In der Praxis quillen sie hoffnungslos über. Ganz zu schweigen von den vielen Stapeln noch zu lesender Bücher, die sich auf Truhen, Tischen und andere Möbelstücken tummeln und nur deshalb nicht auch auf dem Boden ihren Vormarsch antreten, weil ich fürchte, die Katzen könnten ihre Zähne daran wetzen.

Seit ein Bücherschrank in unmittelbarer Nachbarschaft eingezogen ist, hoffe ich, der Bücherinvasion Einhalt gebieten zu können. Immerhin habe ich schon einige Bücher dorthin gebracht und freue mich an dem Gedanken, daß sie ein neues Heim gefunden haben. Was auch meiner Idealvorstellung des Teilens und Weitergebens entspricht. Und solange ich mehr Bücher hinbringe als ich dort finde, ist auch alles im Gleichgewicht.

Eng wird es nur, wenn ich noch nach Tagen einem Buch hinterhertrauere, daß ich in den Bücherschrank gegeben habe und immer noch mit dem Gedanken spiele, es wieder abzuholen.

Willow

Willow ist eine bezaubernde kleine Geschichte, die eigentlich schon wieder klassisch ist.

Eine böse Zauberin setzt alle Hebel in Bewegung um das Neugeborene in ihre Hände zu bekommen, daß ihre Macht bedroht. So sagt es die Prophezeiung. Die gute Seite schickt den ‚Magier‘ Willow und einen abgehalfterten Krieger in’s Rennen. Sie sollen die künftige Herrscherin retten.

Das Ende liegt eigentlich schon klar auf der Hand. Es kann gar nicht anders enden.
Trotzdem – wie Willow die böse Königin Bavmorda am Ende austrickst, ist eine Überraschung und allein bei der Erinnerung zaubert sich ein Schmunzeln auf meine Lippen.

Vermutlich läuft es darauf hinaus, daß ich mich von alten Büchern nur sehr schwer trennen kann. Der ganz besondere alte Zauber, der ihnen anhaftet, hält sie bei mir. Und wer weiß, ob ich genau dieses Buch noch einmal finde.