Leserpreis und Frankfurter Buchmesse

Irgendwie spielt doch beides zusammen. Gefühlt ist das eine noch gar nicht richtig vorbei und schon findet die Nominierung für den Leserpreis 2014 statt. Seit zwei Tagen sitze ich immer wieder mal über den nominierten Büchern und höre dabei meinen eigenen Gedanken zu.

Irgendwie geht doch alles viel zu schnell. Sogar in der Bücherwelt.
Kann man jetzt noch über die Buchmesse schreiben? Warum eigentlich nicht, aber etwas seltsam wird es schon sein.
Ich habe schon wieder viel zu wenig von den Büchern gelesen, die ich lesen wollte.
Und wazum zum … kann nicht mehr als ein Buch oder einen Autor nominieren, viele liegen doch dichtauf und machen die Wahl wirklich nicht leicht.

Meine liebsten Autoren sind Jaromir Konecny und Mara Laue. Genau genommen wäre auch noch Ewald Arenz dabei, von dem ich allerdings dieses Jahr nichts gelesen habe.

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Lesemomente 2013

Was das Lesen angeht, war 2013 doch ruhiger als erwartet, besonders gegen Ende. Einige Schätze wurden dennoch gefunden. Ganz besondere Bücher, an deren Geschichte ich mich immer noch genau erinnere. Immerhin – 37 Bücher wurden 2013 gelesen. Die meisten davon das erste Mal, einige auch ein zweites Mal und einige wurden in Gedanken mit dem Vermerk ‚unbedingt noch einmal lesen‘ versehen.


Ein Lied über der Stadt von Ewald Arenz
Dieses Buch würde ich am Liebsten jeden Menschen in die Hand drücken. Das hier mußt du lesen! Oder du versäumst etwas. Wegen dieser Geschichte habe ich alles um mich herum vergessen und um Sekundenbreite auch den Bus verpaßt.
In meinen Augen die beste Empfehlung für ein Buch.

84, Charing Cross Road von Helene Hanff

Mit diesem Buch musste ich mich erst langsam anfreunden, was vermutlich auch die Zustimmung von Miss Hanff gefunden hätte. Das ich es auf keinen Fall in meinen Bücherreihen vermissen möchte, habe ich erst gemerkt als ein Tauschangebot aufkam. Der Tausch kam dann auch zustande. Aber ich war erst wieder zufrieden, als ich das Buch dank gewisser Kontakte wieder in das Regal stellen konnte. Ganz ähnlich wie bei diesen Briefen existiert auch bei mir eine Liste der Bücher, nach denen ich fahnde. Nur der passende Antiquariatshändler hat sich noch nicht eingefunden. 😉

Über die Briefe schreibe ich nichts weiter. Gefühlt kennt das Buch ohnehin jeder. Und falls nicht, lest es. Die Seiten sind es wert.


Mut für Zwei von Julia Malchow
Eines der Bücher, die ich 2014 noch einmal lesen möchte. So schwer in Worte zu fassen weil es mehr ist als ein gewöhnlicher Reisebericht. Schon beim ersten Lesen kamen die Hinterfragungen auf. Und wie man merkt, finde ich immer noch nicht die Worte, die dazu passen.

Ein Lied über der Stadt

Ein Lied über der Stadt von Ewald Arenz
Fester Einband, 300 Seiten
Erstausgabe: 01.02.2013 beim Ars Vivendi Verlag
ISBN: 9783869131924
My rating: 5 von 5 Sternen

Wenn man an die Zeit um 1930 denkt, denkt man fast automatisch an steifgekleidete Herren im Anzug, strenges Reglement in der Gesellschaft und das Aufkommen der Naziherrschaft.

Ganz anders da der Vater von Luise Anding. Frei von allem steht der Pfarrer im Garten beim Aufgang der Sonne und singt den Sonnengruß.
Nicht nur der Glaube ist ihm wichtig… oder besser gesagt, die anthroposophische Lehre ist ihm ein Teil des Glaubens. Auch, daß die Freiheit des Menschen wichtig ist. Genau so wichtig wie das Folgen der eigenen Überzeugungen.
Zu tun, woran man glaubt.
Gerade in dieser Zeit keine einfache Sache.

Freiheit.
Für Luise ist es das Fliegen. Nur dort kann sie frei sein von dem Druck der Nazi-Gesellschaft, der immer stärker wird. Frauen sollen heiraten und die Kinder großziehen. Fliegen – das geht nur, wenn man sich der Partei anschließt. Zu groß ist schon die Macht der Nazis geworden. Wer sich – wie Luise’s Vater – den Forderungen wiedersetzt, kommt schon damals in das KZ. Einen Ausweg gibt es nur dann, wenn man eine Schweigeerklärung unterzeichnet. Kein Wort über das, was man hinter den Mauern gesehen und erlebt hat. Was geschieht, wenn man das Schweigen bricht, muß nicht lange überlegt werden.

Die Beklemmung greift immer mehr um sich. Immer enger ziehen sich die Stricke. Nicht nur um Luise und ihre Familie. Um jeden Menschen. Und kaum Möglichkeiten, sich dem zu entziehen.
Die Gründe dafür sind so manigfaltig wie die Menschen selber.

Mich hat die Geschichte nicht losgelassen.
Was ist Freiheit?
Wie bekommt man sie und was ist man bereit dafür zu tun?

Luise bekommt ihre Freiheit.

Für mich ist beim Lesen alles um mich herum versunken. Erst nach dem letzten Wort kam ich wieder zurück von Luise’s Flug. Das Buch hat mich komplett in ihre Welt gezogen. Auch oder gerade weil ich am Ende erst einmal durchatmen musste.

Lesechallenge im Regen

Die Herausforderung kam von Lovelybooks – mindestens 10 Bücher zu lesen und darüber eine Kurzmeinung zu verfassen.

Warum nicht? Vielleicht lernt man so neue Bücher kennen (habe ich) und der SUB-Stapel ist sowieso groß genug (jetzt ist er noch größer und der Gang zur Bibliothek hat das Übel noch verschlimmert).

Fazit vorweg für dieses Mal: Das Ziel habe ich nicht erreicht. Nach sechs Büchern wurden die Segel gestrichen.

Zu sehr geisterte die große Zehn im Hintergrund und mahnte daran, wieviel noch zu lesen sei. Der Genuß an den einzelnen Büchern blieb mehr und mehr auf der Strecke.

Sechs Bücher habe ich gelesen und dann vor etwa einer Woche das Experiment für mich abgebrochen. Und damit lies es sich auch gleich wieder viel entspannter lesen. Gerade lese ich noch einmal die Märchenbücher von Sigrid Früh und bemerke wieder die Feinheiten, die sich mir vorher völlig entzogen hatten.

Gelesen wurden im Mai folgende Bücher:
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Das Diamantenmädchen

Das DiamantenmädchenDas Diamantenmädchen by Ewald Arenz
My rating: 5 of 5 stars

Das Diamantenmädchen ist mein zweites Buch aus dem Genre ‚Kriminalroman‘ und wieder konnte ich feststellen, dass es bei Büchern aus dieser Rubrik keineswegs nur um ’stupides Jagen des Opfers‘ gehen muss. Schon das Titelbild stimmt in der Motivauswahl und dem matten Fotodruck auf die Ära der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ein. Ein Eindruck, der sich durch die aufmerksame Wahl bei der Schreibweise der Worte noch verstärkt – als Beispiel das Telephon.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang mit einem Interview, bei dem auch die Reporterin Lilli Kornfeld anwesend ist, einem Auftrag unter der Hand ’schwarze‘ Diamanten zu schleifen und dem Auffinden eines ermordeten Schwarzen auf dem Balkon eines renommierten Hotels am Nollendorfer Platz.

Bis dahin scheint es sich noch um ein in der Großstadt Berlin recht ‚alltägliches‘ Verbrechen zu handeln und erst langsam fördern die beiden Komissare Schambacher und Togotzes die Zusammenhänge und auch die Verwicklungen um den Diamantenschleifer Paul van der Laan zu Tage.

Für mich ist es das erste Buch von Ewald Arenz und ich bin besonders angetan von der spürbar ausführlichen Recherche, die der Autor über das Berlin der 20er Jahre betrieben hat. Es wird neben der hauptsächlichen Geschichte rund um den Mord und die Diamantenaffäre auch viel interessantes Wissen über die Entwicklungen der Technologie und der Kriminalwissenschaft vermittelt, die eben auch in dieser Zeit ihre ersten Anfänge genommen hat. Das und auch die greifbare Mentalität jener Zeit so kurz nach dem 1. Weltkrieg geben einem beim Lesen das ganz eigene Gefühl von Lebendigkeit der Geschehnisse. Nicht selten hat man geradezu das Gefühl mit bei den Gesprächen am Tisch zu sitzen und Neues von dem Erzählenden zu erfahren. Auch über die Rückblicke in die Jugend von Paul, Lilli und ihrem Bruder Wilhelm werden einem gerade diese Drei mit der Zeit immer vertrauter.

Zweifellos ist der eigentliche Mord sehr spannend geschrieben und auch wenn ich schon sehr bald erste Vermutungen über den Hergang angestellt habe, kamen doch gegen Ende der Geschichte wieder Zweifel bei mir auf, ob ich mit meinen Überlegungen nicht völlig daneben gelegen habe. Hier hat mir auch gut gefallen, dass der Mörder nicht einfach nur nach dem so oft verfolgten ‚Schwarz-Weiß-Schema‘ gezeichnet wurde – sondern eben auch nachvollziehbare Handlungsgründe hat, nämlich sich verraten zu fühlen.

Was natürlich keine Rechtfertigung für die Tat eines Mordes sein kann, aber eben auch aufzeigt, zu welchen Taten ein Mensch sich getrieben fühlen kann. Gerade dieser Gedanke hat mich beschäftigt. Wäre es zu dem Mord nicht gekommen, wenn der Täter und Lilli sich früher begegnet wären und miteinander gesprochen hätten? Um nur einen meiner Gedanken zu nennen. Mehr würde zuviel über den Hergang der Geschichte erzählen.

Mein Fazit ist, dass es eine sehr intensive Erzählung ist – sowohl von den Empfindungen jener Zeit als auch der Zusammenhänge der Handlungsgründe und nicht zuletzt auch der Spannung – und ich auch zum Nachdenken über die Geschehnisse einer Zeit angeregt wurde, die immerhin jetzt schon fast 100 Jahre her ist. Ich könnte mir gut denken, dass beim nächsten Lesen ganz neue Aspekte entdeckt werden.

Lesen einmal anders

Ich habe festgestellt, dass Leserunden eine sehr spannende Erfahrung sein können. Meine erste jedenfalls ist es gewesen. Herr Arenz – seines Zeichens Autor von „Das Diamantenmädchen“ und noch einigen anderen Romanen – hat diese Zeit zu einem echten Erlebnis gemacht. Nicht dass sie schon zu Ende wäre. Aber das soll mich nicht hindern, schon jetzt darüber zu schreiben. So recht hatte ich ja noch keine Vorstellung, was mich da erwartet. Und bin zugegebenermaßen der wohl auch eher landläufigen Vorstellung gefolgt, dass ein Autor, der schon mehrere Bücher veröffentlicht und immerhin auch schon mehrere Auszeichnungen gewonnen hat, wohl genug anderes zu tun hat. Weit gefehlt! Im Gegenteil zu allen hintergründigen Vermutungen bekam ich sogar richtig ausführliche Antworten zu meinen Fragen bzgl. der Charaktererstellung und der Recherche zu dem Roman. Inkl. einiger sehr interessant klingender Buchvorschläge und Links zu dem Thema Diamanten, die Polizei in Berlin in den 20er Jahren – um nur einige zu nennen.

Um es kurz zu machen: Ich kann nur hoffen, dass weitere Leserunden ebenso interessant sein werden und bedanke mich noch einmal an dieser Stelle für die Ausführlichkeit und die Zeit, die Herr Arenz in uns investiert hat. Und auch für das nette Kompliment, dass wir Gewinner des Buches ’schon fast professionell lesen‘. So etwas geht natürlich runter wie Öl. ^^

Und damit ich die Buchvorschläge und genannten Links nicht vergesse, liste ich sie hier auf. Und wer weiß, vielleicht interessiert es ja nicht nur mich 😉

– Franz v. Schmidt: „Vorgeführt erscheint“ (das Standardbuch über die Kripo in der Weimarer Republik, leider vergriffen und nur antiquarisch erhältl.)
– Die Berliner Polizei in der Weimarer Republik, (vergriffen, Bibliothek)
– Metzger, Rainer, Berlin, die Zwanziger Jahre, Kunst und Kultur 1918 – 1933
– Hart-Davis, Adam, „Das fliegende Schiff“,
– Ricardson, „Das populäre Lexikon der ersten Male“
– Köhler, „Kleines Glossar des Verschwindens“ (allgemein)
– Mähr, Christian, „Vergessene Erfindungen“ (großartiges Buch!)
– die klassischen rororo-Biographien zu vielen Erfindern

http://www.auricum.de/diamanten/geschichte