Mord und das Unheil daraus

Der Kaufmann von Lippstadt von Rita Maria Fust
Flexibler Einband, 339 Seiten
Erstausgabe : 05.03.2014
Gmeiner Verlag
ISBN: 9783839214930

Ferdinand Overkamp ist ein angesehener Kaufmann und Ratsherr in Lippstadt kurz nach Ende des siebenjährigen Krieges (1756–1763). Nachdem der Krieg nun beendet wurde, die Überreste wie Pulvermagazine und Festungen nach und nach aus dem Stadtbild verschwinden sollen, hat er auch allen Grund sich ein geruhsames sowie erfolgreiches Leben zu erhoffen. Vielleicht gelingt es ihm sogar, in absehbarer Zeit den teuren Bau eines Steinhauses in Angriff zu nehmen.

Kurz gesagt – das Leben der Familie Overkamp scheint in Ordnung. Zumindest solange, bis ihm seine Gemahlin gesteht, dass die älteste Tochter guter Hoffnung (schwanger) ist, sich aber weigert, den Kindsvater zu nennen.

Die Gedanken des Hausherren fangen an, sich mühlenartig im Kreis zu drehen. WER ist der Vater und warum um alles in der Welt hat sich gerade SEINE wohlerzogene Tochter so vom rechten Weg abführen lassen? Und vor allem anderen – WARUM weigert sich Elisabeth. den Vater zu nennen. Es bräuchte doch nur eine kurzfristige Hochzeit und alles wäre in bester Ordnung. Vorausgesetzt natürlich, es würde sich um einen standesgemäßen jungen Mann handeln. Und danach sieht es ja nicht aus – sonst könnte das junge Mädchen ja den Namen verraten.
Und müste nicht nach Lübeck zur Tante geschickt werden um Schande für die ehrsame Familie zu vermeiden.

Soweit die Gegebenheiten im historischen Lippstadt.

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Verborgene Leidenschaften

Die geheime Braut von Brigitte Riebe
Fester Einband, 450 Seiten
Erschienen bei Diana HC Verlag
Erstausgabe 28.10.2013
ISBN 9783453291348
4 von 5 Sternen

Der Reiz des Verbotenen und die Macht des Geldes locken seit jeher zu gefährlichen Taten.

Dem Maler Lucas Cranach geht es da nicht anders. Eine Unsumme Geld wird ihm für eine Auftragsarbeit angeboten – die drei Grazien der griechischen Mythologie soll er malen. Allerdings – und hier liegt die Gefahr des Auftrages – nach lebenden Vorbildern und unbekleidet.

Keine ehrbare Frau würde sich für dieses Gemälde zur Verfügung stellen. Soviel ist auch Cranach schnell klar. Aber das Geld lockt. Also müssen andere Wege beschritten werden, die sein Geselle Jan Seman für den Meister einschlagen darf.

Mit recht fragwürdigen Methoden werden die ersten beiden Frauen überzeugt, Modell zu stehen – und kurze Zeit später tot aufgefunden.

Kein Wunder, dass Wittemberg Kopf steht. Nicht genug, dass die neuen Auslegungen der christlichen Religion durch Luther schon für grundlegende Veränderungen im gewohnten Leben sorgen – die Morde tun noch ein Übriges, Unruhe in die Universitätststadt zu bringen, die wegen dem Reformator auch so schon einen umstrittenen Ruf genießt.

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Es war einmal…

Gesa – Verrat im Kastell Bürgel von Alexander Raabe
Flexibler Einband, 208 Seiten
Erschienen bei Sutton Verlag
Erstausgabe 01.09.2013
ISBN 9783954002160
3 von 5 Sternen

Wie schnell sich das gewohnte Leben in Luft auflösen kann, zeigt die Geschichte um die 17-jährige Gesa. Marodierende Räuber fallen über ihr Dorf her und machen buchstäblich alles dem Erdboden gleich. Natürlich geht es dabei nicht ohne Blutvergießen und Schändungen ab.

In der Beziehung ist es dem Autor überzeugend gelungen, die gnadenlose Handlungsweise der damaligen Zeit gegenüber den Schwächeren aufzuschreiben. Nichts wird schöngeschrieben oder unter den sinnbildlichen Teppich gekehrt. Im Gegenteil – Alexander Raabe lässt in allen schmutzigen Details miterleben, wie Gesa die Leiche ihres Mannes und ihrer besten Freundin findet. Auch die Mißhandlungen bis hin zur Vergewaltigung durch den Drillmeister Ulfert und der anderen Bewohner des Kastells Bürgel werden gnadenlos offengelegt.

Während Gesa von einem Mann zum Nächsten geschleppt wird, plant Tribun Rikulf die Ermordung des Cäsaren Julian und seinen eigenen Seitenwechsel zu den Franken.
Auch hier wird Gesa durch die fremdbestimmten Umstände mit hereingezogen.

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Ich wurde veröffentlicht

Ich habe gerade ein breites Strahlen im Gesicht. Etwa 1,5 Monate und drei Erweiterungen des Textes hat es gebraucht – und nun wurde tatsächlich eine Kolumne über historische Bücher von mir veröffentlicht. 🙂

Hexerei als einziger Frauenberuf im Mittelalter?

Rundreise – erste Station Ulm, Venedig, Busra

Die Heilerin des Sultans von Silvia Stolzenburg
Fester Einband: 516 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 16.01.2012
ISBN 9783937357478
4 von 5 Sternen

Wer eine Reise tut, kann was erleben.
Falk von Katzenstein erlebt mit seinen gerade einmal 15 Jahren mehr als ihm lieb ist. Dabei will der junge Handelsherr nach dem frühzeitigen Tod seiner Eltern nichts weiter, als sich in Ulm ein neues Leben aufzubauen und die geerbte Pferdezucht seines Vaters ausbauen. Zumindest bis sein Onkel Otto von Katzenstein auftaucht und ihn zu einer Reise in den fernen Orient überredet – schließlich gäbe es dort die besten Pferde und niemand mehr könnte auf den jungen Falk herabschauen.

Also goldene Aussichten für die Zukunft.
Die Zucht könnte erweitert werden, das Ansehen der Familie vor dem Adel wäre beträchtlich besser und nicht zuletzt die Verlockung einer Reise nach Venedig und darüber hinaus in den unbekannten Orient.
Dagegen tritt die mahnende Stimme des befreundeten Verwalters Lutz natürlich weit in den Hintergrund, die nicht zu Unrecht auf die Gefahren einer solchen Reise hinweist.

Abenteuerliche Erlebnisse gibt es dann auch genug. Die ihren vorläufigen Gipfel in einem Piratenschiff finden, daß Falk von Katzenstein’s Schiff kapert und jeden dafür geeigneten Gefangenen in die Sklaverei nach Busra verkauft.
Glück im Unglück wird Falk als Militärsklave an den Hof des osmanischen Sultans Bayezid Yildirim verkauft. Soweit erst einmal zu seinem Schicksal.

Eine Geschichte, die mich tiefer in den Orient führt, als ich es jemals für möglich gehalten hätte.
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Ein Lied über der Stadt

Ein Lied über der Stadt von Ewald Arenz
Fester Einband, 300 Seiten
Erstausgabe: 01.02.2013 beim Ars Vivendi Verlag
ISBN: 9783869131924
My rating: 5 von 5 Sternen

Wenn man an die Zeit um 1930 denkt, denkt man fast automatisch an steifgekleidete Herren im Anzug, strenges Reglement in der Gesellschaft und das Aufkommen der Naziherrschaft.

Ganz anders da der Vater von Luise Anding. Frei von allem steht der Pfarrer im Garten beim Aufgang der Sonne und singt den Sonnengruß.
Nicht nur der Glaube ist ihm wichtig… oder besser gesagt, die anthroposophische Lehre ist ihm ein Teil des Glaubens. Auch, daß die Freiheit des Menschen wichtig ist. Genau so wichtig wie das Folgen der eigenen Überzeugungen.
Zu tun, woran man glaubt.
Gerade in dieser Zeit keine einfache Sache.

Freiheit.
Für Luise ist es das Fliegen. Nur dort kann sie frei sein von dem Druck der Nazi-Gesellschaft, der immer stärker wird. Frauen sollen heiraten und die Kinder großziehen. Fliegen – das geht nur, wenn man sich der Partei anschließt. Zu groß ist schon die Macht der Nazis geworden. Wer sich – wie Luise’s Vater – den Forderungen wiedersetzt, kommt schon damals in das KZ. Einen Ausweg gibt es nur dann, wenn man eine Schweigeerklärung unterzeichnet. Kein Wort über das, was man hinter den Mauern gesehen und erlebt hat. Was geschieht, wenn man das Schweigen bricht, muß nicht lange überlegt werden.

Die Beklemmung greift immer mehr um sich. Immer enger ziehen sich die Stricke. Nicht nur um Luise und ihre Familie. Um jeden Menschen. Und kaum Möglichkeiten, sich dem zu entziehen.
Die Gründe dafür sind so manigfaltig wie die Menschen selber.

Mich hat die Geschichte nicht losgelassen.
Was ist Freiheit?
Wie bekommt man sie und was ist man bereit dafür zu tun?

Luise bekommt ihre Freiheit.

Für mich ist beim Lesen alles um mich herum versunken. Erst nach dem letzten Wort kam ich wieder zurück von Luise’s Flug. Das Buch hat mich komplett in ihre Welt gezogen. Auch oder gerade weil ich am Ende erst einmal durchatmen musste.

Sünden und Buße im Mittelalter

Sehet die Sünder von Liv Winterberg
Flexibler Einband, 432 Seiten
Erstausgabe: 12.12.2012 beim dtv Verlag
ISBN: 9783423249409
My rating: 3 of 5 stars

In der Bretagne 1440 kommt es zu immer häufigeren Morden. Alle geschehen sie in dem kleinen Dorf Saint Mourelles. Und zerreißen damit auch immer weiter die ansonsten funktionierende Dorfgemeinschaft. Die Angst greift immer weiter um sich und es dauert auch nicht wirklich lange, bis Angst und übelste Verdächtigungen die Runde machen.
Weil einfach keiner mehr weiß, wem ist noch zu trauen?
Wer sagt die Wahrheit?
Und vor allem – wer steckt dahinter?
Wer ist der Mörder?

Verdächtige hierzu gibt es genug.
Der Lehensherr des Dorfes – der Baron Amédé de Troyenne
Sein Hauptmann, der allgemein einen sehr finsteren Ruf genießt.
Der Bischof, der sich nach und nach die Ländereien aneignet.
Oder doch Catheline, die Haushälterin des alten Dorfpfarrers.

Keiner in dem kleinen Dorf ist mehr sicher, nicht unter Verdacht zu geraten.

Da auch jeder der genannten Verdächtigen noch seine eigene Vergangenheit hat, an der er mitunter schwer trägt, ist es bis zum Ende offen, wer nun hinter den ganzen Greueltaten steckt. Selbst als sich bereits eine Lösung abzeichnet und ein Geständnis offen zu liegen scheint, bleiben immer noch Zweifel offen. Ob dieses Geständnis nun wahr ist oder von der Furcht vor der Folter erzwungen wurde.

Insofern ist ‚Sehet die Sünder‘ eine wirkliche spannende Geschichte, die einen bis zuletzt im Unklaren lässt.
Jetzt wäre es noch wünschenswert gewesen, die einzelnen Geschichten, die in der Erzählung mit reinschwingen, stärker ausgelotet zu sehen und damit auch die Beweggründe der Betroffenen.

Gute Worte sind schwer zu finden

So vieles hätte man über Philippine Welser schreiben können.

Allein ihr Wissen war für die damalige Zeit – 1527 bis 1580 – sehr umfangreich. Sie kannte die lateinische Sprache, verfügte über ein großes Kräuterwissen, stellte selber Heilmittel aus diesem Wissen her und führte das Kochbuch und das Rezeptbuch über die medizinischen und pharmakologischen Erkenntnisse ihrer Mutter fort. Oder verfaßte beide selber, hier scheiden sich die Geister.

Quelle: http://www.tirolerportraits.it/de/Portraits-suchen.aspx

Und dennoch wirkt sie in dem Kriminalroman ‚Die schöne Philippine Welserin‘ kaum als mehr als ein Leben im Schatten des Erzherzogs Ferdinannd.
Nicht, dass man von ihm wesentlich mehr erfahren würde. Gerade einmal, dass er der Lieblingssohn seines Vaters ist und der Thronfolger. Keine Vorlieben, keine Abneigungen, keine wesentlichen Hintergründe.

Genauso bleibt es auch bei der Familie Philippine’s.
Wer ist Onkel Bartholome? Was bewegt ihn?
Was ist mit ihrer Mutter? Neben ihrem Wissen um Heilkräuter und dass sie von ihrem Mann verlassen wurde?
Was hat es mit ihren Geschwistern und ihrer Tante Kat auf sich?

Alles wichtige Menschen in dem Leben von Philippine. Und doch werden sie kaum am Rande erwähnt und ein eigenes Leben gibt es für sie nicht.

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Mittelalterliche Ermittlungen – in zweifacher Hinsicht

„Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“
Georg Christoph Lichtenberg

Wie sinnvoll ist es, ein Buch zu beschreiben, dass einen nicht wirklich überzeugt hat?

Eine Empfehlung wird nicht ausgesprochen und einen Verriß schreiben ist nicht so einfach. Einmal ist es Ansichtssache und ich bin inzwischen auch schon öfter auf die (durchaus vertretbare) Meinung gestoßen, dass nur über Bücher geschrieben wird, die für gut befunden wurden.
Auf der anderen Seite bin ich inzwischen auch schon des öfteren an Büchern hängengeblieben, über deren Kauf ich mich im Nachhinein geärgert habe. Nicht zuletzt auch wegen dem Geld. Für das ich mir doch lieber ein Buch gekauft hätte, dass mir die erhofften angenehmen Lesestunden gebracht hätte.

Also werde ich – zumindest bis auf Weiteres – auch über Bücher schreiben, die mich nicht überzeugen konnten.

Die HurenköniginDie Hurenkönigin by Ursula Neeb
Flexibler Einband, 400 Seiten
Erschienen 14. September 2012 beim Ullstein Verlag
My rating: 1 of 5 stars

Die Leiterin des Frankfurter Hurenhauses anno 1511 – allgemein als die Hurenkönigin bezeichnet – ermittelt auf eigene Faust über die Morde der ihr anvertrauten Hübschlerinnen. Von der Stadtverwaltung bekommt die Frauenhauswirtin Ursel Zimmer dabei wenig Unterstützung. Was allerdings auch niemanden verwundern dürfte, da die Huren der damaligen Zeit zu den Unehrlichen gehörten und gerade mal in den Stadtmauern als geduldet anzusehen waren.

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Im Schatten der Königin

Langsam gewinnt die ruhige Zeit Oberhand.
Die Zeit, in der man sich mit einem guten Buch und einem Glas Wein oder heißer Schokolade mit einer Prise Zimt zurückzieht und alles um sich herum vergißt.

So geht es mir, wenn ich mir ansehe, wieviele Bücher ich schon wieder verschlungen habe. Höchste Zeit, wieder eine Rezension zu Papier zu bringen. 😉

Im Schatten der KöniginIm Schatten der Königin von Tanja Kinkel
Flexibler Einband, 426 Seiten
Erschienen 2011 beim Droemer Knaur Verlag (Erstausgabe 2010)
My rating: 3 of 5 stars

Sich in den Schatten der Königin reinzufinden, war kein Leichtes. Zum Einen ist es mein erstes Buch aus dem Elisabethanischen Zeitalter und dann erzählt es die Ereignisse aus der Sicht eines eher unbedeutenden Höflings heraus – Thomas Blount.

Blount bekommt von seinem Vetter Robert Dudley den Auftrag, den unerwarteten Tod an dessen Frau Amy Robsart aufzuklären.
Der zu einem denkbarst ungünstigen Zeitpunkt gekommen ist – wie beide Männer für sich im Stillen befinden.

Robert Dudley
Robert Dudley, Earl of Leicester ca.1564
Quelle: http://www.tudorplace.com.ar/

Gerade jetzt – Elisabeth I ist endlich an die Macht gelangt, aber eben noch keineswegs gefestigt und sicher auf dem Thron des krisengeschüttelten Englands. Ganz zu schweigen von den unzähligen Intrigen und hinter vorgehaltener Hand geflüsterten Behauptungen, dass es die Herrscherin und ihr Günstling Dudley kaum erwarten können, bis dessen Frau endlich verstirbt und er frei ist für den Platz an der Seite der Königin.

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