Ein Blick in die Vergangenheit

Wenn ich mir so meinen ersten Bericht über den Wimpfener Zunftmarkt ansehe, hat sich seitdem wirklich viel getan. Beim Zunftmarkt und bei meiner Berichterstattung. Es entwickelt sich eben alles weiter.

Wie sagt Heraklit schon so treffend: Panta rhei – alles fließt.

Ein ausführlicher Blick hinter die Kulissen hat die Sichweise komplett geändert. Der Markt ist jeden Cent wert. Die viele Arbeit im Hintergrund wird einem wie so erst dann bewußt, wenn man einmal nicht nur als (gewandeter) Besucher über den Markt tingelt.

Dazu hat sich der Markt seit meinem ersten Besuch sehr weiterentwickelt.
Konzerte, Tanzdarbietungen, Darstellungen mittelalterlichen Lebens samt Stauferwache und lt. Hörensagen sogar ein wenig Lagerleben. Bei dem wenigen Platz wurde also einiges auf die Beine gestellt, dass auch Hand und Fuß hatte. Und zum Glück gab es heuer das perfekte Sonnenwetter, nachdem schon tagelang vorher der Wetterbericht argwöhnisch beäugt wurde.

Historisch gesehen blickt der Zunftmarkt auf eine lange Geschichte zurück. Eine erste schriftliche Erwähnung findet sich 1391. Genauere Details lassen sich unter der Historie nachlesen.

Ich hatte wirklich viel Spaß dieses Mal. Entweder an der Mautstelle bei den Fachsimpeleien mit der Stauferwache oder bei den Flachsereien des neuen Hofnarren. Der Jung‘ versteht sein Handwerk. 😉 „Ein Blick in die Vergangenheit“ weiterlesen

Mittelalterliche Ermittlungen – in zweifacher Hinsicht

„Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“
Georg Christoph Lichtenberg

Wie sinnvoll ist es, ein Buch zu beschreiben, dass einen nicht wirklich überzeugt hat?

Eine Empfehlung wird nicht ausgesprochen und einen Verriß schreiben ist nicht so einfach. Einmal ist es Ansichtssache und ich bin inzwischen auch schon öfter auf die (durchaus vertretbare) Meinung gestoßen, dass nur über Bücher geschrieben wird, die für gut befunden wurden.
Auf der anderen Seite bin ich inzwischen auch schon des öfteren an Büchern hängengeblieben, über deren Kauf ich mich im Nachhinein geärgert habe. Nicht zuletzt auch wegen dem Geld. Für das ich mir doch lieber ein Buch gekauft hätte, dass mir die erhofften angenehmen Lesestunden gebracht hätte.

Also werde ich – zumindest bis auf Weiteres – auch über Bücher schreiben, die mich nicht überzeugen konnten.

Die HurenköniginDie Hurenkönigin by Ursula Neeb
Flexibler Einband, 400 Seiten
Erschienen 14. September 2012 beim Ullstein Verlag
My rating: 1 of 5 stars

Die Leiterin des Frankfurter Hurenhauses anno 1511 – allgemein als die Hurenkönigin bezeichnet – ermittelt auf eigene Faust über die Morde der ihr anvertrauten Hübschlerinnen. Von der Stadtverwaltung bekommt die Frauenhauswirtin Ursel Zimmer dabei wenig Unterstützung. Was allerdings auch niemanden verwundern dürfte, da die Huren der damaligen Zeit zu den Unehrlichen gehörten und gerade mal in den Stadtmauern als geduldet anzusehen waren.

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Thema verfehlt

Im Anschluß an ‚Die Tore der Welt‘ wurde gestern noch ein Bericht über verschiedene Frauen aus dem Mittelalter gezeigt. Der Bericht war nicht unbedingt das, was ich als fundiert und unvoreingenommen bezeichnen würde. Vielmehr war er nach meinem Eindruck eher für die breiten Massen gemünzt und auch entsprechend reißerisch aufgezogen. Wie sonst sollte man sich die Behauptungen erklären, dass beispielsweise die Visionen von Hildegard von Bingen nur ein ‚karrierewirksamer Trick‘ gewesen seien, um in das obere Managment der Kirche aufgenommen zu werden.
Die Moderation bei allen drei Portraits ist so offensichtlich auf Sensation ausgelegt, dass es ohne langes Überlegen an Boulevardpresse erinnert. Ausführlichere Hintergrundinformationen wären allemal besser gewesen.

Wie man über die Kirche denkt, bleibt sicher jedem selber überlassen. Aber etwas mehr Objektivität über eine völlig andere Denkweise der Menschen im Mittelalter wäre wohl zu erwarten gewesen.
Das einzig sinnvolle an dem Bericht war für mich, dass ‚Der Spiegel der einfachen Seele‘ von Marguerite Porète auch heute noch im Buchhandel zu erhalten ist.
Ein Buch, für das die Autorin auf dem Scheiterhaufen hingerichtet wurde und dass ich mir heute bestellt habe. Ich bin schon sehr gespannt, was ich lesen werde.

Zunftmarkt zu Wimpfen und Mautgebühr

Am vergangenen Samstag wurde unser Haus- und Hofmarkt in Bad Wimpfen aufgesucht. So genannt, weil er quasi direkt vor der Haustür liegt 😉
Am Eingang kam dann gleich der erste Wermutstropfen – Gewandete müssen ab dieses Jahr auch einen Wegezoll von drei Euro berappen (normale Besucher zahlen 6 Euro). Sicher im Vergleich zu anderen Veranstaltern nicht wirklich viel, sauer aufgestoßen ist es uns trotzdem. Schließlich lebt und stirbt ein Markt auch mit den (gut) gewandeten Marktbesuchern, die nicht eben wenig zu der mittelalterlichen Athmosphäre beitragen. Die Begründung des Veranstalters „es würden jedes Jahr mehr Gewandete den Markt besuchen“ war für mich auch insofern nicht nachvollziehbar, da nach meiner Erfahrung eher ziemlich wenig authentisch gekleidete Besucher den Markt besuchen (wohlgemerkt, ich erwarte kein absolutes A bei der Gewandung).
Soviel zu dem Haar in der Suppe. Besucht haben wir den Markt trotzdem. Schließlich warteten einige Bekannte darauf, wieder einmal gesehen zu werden und teilweise auch solche, die wir aufgrund der weit zerstreuten Mittelalterszene eben auch nur einmal im Jahr sehen.
Demzufolge haben wir uns auch wirklich gut unterhalten und wurden mit einigem ‚Hallo‘ begrüßt 🙂

Was nun die Mautgebühr angeht, bin ich zwiespältiger Meinung.
Zuerst einmal habe ich mir die Seite des Zunftmarkts heute genauer angesehen. Und war überrascht. Seit dem letzten Jahr hat sich einiges getan. Nicht zuletzt sehr ausführliche Informationen zum Mittelaltergeschehen, die gerade für Neulinge auf dem Gebiet sehr interessant sind. Neben Links zu den verschiedenen Darstellern auch einige Bilder, die ich mir noch genauer ansehen werde.

Soweit zum Internetauftritt. Bei dem Marktgeschehen direkt sind leider auch immer wieder Händler anzutreffen, die für meine Ansichten nicht wirklich zu einem Mittelaltermarkt passen. Auf der anderen Seite treten seit Jahren die Gruppen Magistri und Firlefanz auf. Und seit zwei Jahren gibt es auch wandernde Barden, heuer das erste Mal Des Geyers schwarzer Haufen, die ich leider nur beim Heimweg aus den Augenwinkeln sehen konnte. Dazu kommen noch einige handwerkliche Darsteller wie z.B. der Schmied. Auf dem Gebiet hoffe ich, wird der Zunftmarkt sich noch weiter entwickeln.
Also werde ich dieses Marktgeschehen noch einmal im Auge behalten 😉

Und nächste Woche werde ich mich auf dem Markt in Hirschhorn rumtreiben, da freu ich mich schon drauf.

Und so beginnt es

Der Gedanke, hier einen Blog zu gründen, wird nun wahr. Wirre Gedanken, Meinungen zum Umwelt-Geschehen… Schreiben, Lesen. Und ich bin gerade dabei mich zu verzetteln *g*

Also erst mal etwas zum Thema Mittelalter. Kann man was aus Mittelaltermärkten lernen? Ich denke schon. Natürlich nicht auf der gleichen Ebene wie bei den Vorlesungen an einer Uni oder im Geschichtsunterricht (der – seien wir mal ehrlich – meist doch ziemlich langweilig war). In der Regel geht es um jüngere Geschichte – bevorzugt das 3. Reich oder Weimarer Republik und auch da eher die ‚offiziellen Seiten.‘ Selten etwas über die frühere Geschichte. Verständlich, denn was ist schon über das Mittelalter sicher fundiert. Nicht sehr viel. Und Mutmaßungen… sind zwar eigentlich auch erstmal die Grundlage jedes Wissenschaftlers (hier dann liebevoll Theorie genannt), aber an eine Schule gehören sie nicht. Leider.

Anders da auf Mittelaltermärkten bzw. dem oft dazugehörenden Lagerleben. Da gibt es einen interessanten Querschnitt durch die Jahrhunderte. Alles vertreten von den Kelten, Nordmännern (die übrigens nicht nur mal eben zum nächsten Raubzug nach England aufgebrochen sind, sondern durchaus sehr geschäftstüchtige Kaufhändler waren – s. Haithabu) bis zu den Römern und nicht zuletzt das beliebte Hochmittelalter mit den bodenlangen Ärmeln und prachtvollen Gewändern. Beim letzteren fehlen mir leider öfter das gewöhnliche Volk, aber was will man machen.

Worauf ich rauswill: Es ist ein breitgefächertes Gebiet mit Versuchspotential. Ausprobieren, wie es gewesen sein könnte! Mit der Möglichkeit eines Irrtums. Aber auch der Möglichkeit, mehr zu erfahren, wie einzelne Dinge funktionieren und seine Erfahrungen zu teilen. Wie z.B. auf dem letzten Markt ein Kelte, der den Versuch unternahm, für sich und seine Lagergruppe das Abendessen in einem Erdloch zu garen. Der Topf wurde mit Brotteig verschlossen und in der Erde über dem Feuer das Essen gekocht. Wenn ich ihn wiedersehe, muß ich unbedingt nach dem Ergebnis fragen.