Rezensionsexemplare

Drei Mal bekam ich jetzt schon eine Anfrage, ob ich eine Rezension über ein bestimmtes Buch schreiben würde, dass mir dafür auch zugeschickt würde.
Als ich diesen Blog angefangen habe, wäre mir diese Möglichkeit nie in den Sinn gekommen. Aber es freut mich trotzdem. In meiner Idealvorstellung hat da jemand meine Rezensionen gelesen und gut gefunden. So gut, dass er sein Buch von mir besprochen sehen möchte. Soviel zur meiner leicht getönten rosa Brille.
Die leise Stimme im Hinterkopf blende ich dabei einmal aus. Mir ist natürlich auch klar – vorrangig geht es um Verkaufen und Bekanntmachung der neuen Bücher, damit sie in der Masse nicht völlig untergehen.

Bei solchen Anfragen sitze ich dann abends im stillen Kämmerlein und halte mit mir Kriegsrat: Will ich oder will ich nicht. Bis jetzt wollte ich nicht oder es kam eben keine Verständigung zustande.
Dieses Mal werde ich sozusagen in’s kalte Wasser springen und das gleich im doppelten Sinne:

Eine Satire wird es werden – in meinen Augen so ziemlich eines der heißesten Eisen, die man anfassen kann. Und ich werde die Besprechung nicht selber schreiben. Sondern die stille Beratung im Hintergrund wird es tun. Die sich sonst immer meine Gedanken zu dem Buch anhören darf. Was mir gefallen hat und was ich mir anders gewünscht hätte. Und die mit mir diskutiert und auch dafür sorgt, dass meine Gedanken sich klären und sich eine Meinung herauskristallisiert.

Beides ist immer ein sehr spannender Prozess, ein Duell auf geistiger Ebene.
Ich bin also schon sehr gespannt, wie die erste Besprechung aussehen wird.
Und was die Zukunft weiter bringt, das sieht man dann…

Und ich bin auch nur ein ganz kleines bischen nervös.

Wer weiß schon, was wahr ist

Was ist wahr? Was ist Einbildung? Und was ist Phantasie?

Der Garten der alten Dame von Nikola Hahn
Flexibler Einband: 180 Seiten
Erschienen bei Thoni Verlag, 14.03.2012
Aktuelle Ausgabe: 30.04.2013
ISBN 9783944177144
4 von 5 Sternen

Elis Eltern trennen sich, und ihr Leben zerbricht. Der Kummer ist kaum auszuhalten, doch dann entdeckt sie den versteckten Zugang zu einem verbotenen Garten, in dem eine seltsame alte Dame wohnt: Sie trägt den Namen einer Toten und behauptet unmögliche Dinge. Und sie zeigt Eli eine Welt, die sie wieder froh sein lässt – bis zu jenem Tag, an dem etwas Furchtbares geschieht…

Niemand außer Eli interessiert sich für den Garten, der sich alt und verwildert in ihr Leben schleicht und sie eine neue Welt jenseits der gewohnten Dinge erleben lässt.

Eine Welt, in der Kobolde in allerschönster Ruhe unter Bäumen liegen und das Leben zu sich kommen lassen…
In der kleine Lokomotiven, die in die Wolken hinauf fahren…
Und in der Frau Meyer mit ihren wilden Kräutern und anderen Pflanzen, ihren Tee’s, ihrem Gebäck ihre herrlichen Geschichten erzählt…

Ganz von selbst wird man beim Lesen mitgenommen in diesen Garten.  Fort von dem, was als die Realität gilt.

Schließlich – was ist Realität?

„Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie, wie wir sind.“ (Talmud)

Viel zu oft will sich der Verstand dazwischen drängen und sondieren, gibt es das alles?

Gibt es Frau Meyer und Kobold Nikodemus und die kleine Eisenbahn Rudi?

Am Besten hört man gar nicht auf den Kopf, wandert weiter auf den vielen verschlungenen Wegen, die durch den Garten der alten Dame führen und lässt sich immer weiter von breiten ausgetretenen (Gedanken-)pfaden weglocken. Schaut dabei hinter die Hecken, was es noch alles zu entdecken gibt.

Es ist eine wunderschöne Welt – ein Garten für Innen, Drinnen und Draußen. Eine Welt hinter, neben und bei der Welt, die wir jeden Tag mit den alltäglichen Augen sehen können.

Das Wunderbare daran ist, wie die Welt um Eli immer größer und bunter wird und neue Freunde in diese Welt kommen. Und so ganz nebenbei gibt es auch die Erkenntnis, daß es ziemlich egal ist, wie anders diese Freunde im Denken sind.
Es sind Freunde und nur daß zählt. Etwas, daß viel zu gern vergessen wird.

Übrigens: Ich glaube, daß Frau Meyer wirklich da war und sich mit Eli unterhalten hat. 😉

Verlagslink: Thoni Verlag

Sünden und Buße im Mittelalter

Sehet die Sünder von Liv Winterberg
Flexibler Einband, 432 Seiten
Erstausgabe: 12.12.2012 beim dtv Verlag
ISBN: 9783423249409
My rating: 3 of 5 stars

In der Bretagne 1440 kommt es zu immer häufigeren Morden. Alle geschehen sie in dem kleinen Dorf Saint Mourelles. Und zerreißen damit auch immer weiter die ansonsten funktionierende Dorfgemeinschaft. Die Angst greift immer weiter um sich und es dauert auch nicht wirklich lange, bis Angst und übelste Verdächtigungen die Runde machen.
Weil einfach keiner mehr weiß, wem ist noch zu trauen?
Wer sagt die Wahrheit?
Und vor allem – wer steckt dahinter?
Wer ist der Mörder?

Verdächtige hierzu gibt es genug.
Der Lehensherr des Dorfes – der Baron Amédé de Troyenne
Sein Hauptmann, der allgemein einen sehr finsteren Ruf genießt.
Der Bischof, der sich nach und nach die Ländereien aneignet.
Oder doch Catheline, die Haushälterin des alten Dorfpfarrers.

Keiner in dem kleinen Dorf ist mehr sicher, nicht unter Verdacht zu geraten.

Da auch jeder der genannten Verdächtigen noch seine eigene Vergangenheit hat, an der er mitunter schwer trägt, ist es bis zum Ende offen, wer nun hinter den ganzen Greueltaten steckt. Selbst als sich bereits eine Lösung abzeichnet und ein Geständnis offen zu liegen scheint, bleiben immer noch Zweifel offen. Ob dieses Geständnis nun wahr ist oder von der Furcht vor der Folter erzwungen wurde.

Insofern ist ‚Sehet die Sünder‘ eine wirkliche spannende Geschichte, die einen bis zuletzt im Unklaren lässt.
Jetzt wäre es noch wünschenswert gewesen, die einzelnen Geschichten, die in der Erzählung mit reinschwingen, stärker ausgelotet zu sehen und damit auch die Beweggründe der Betroffenen.

Wie könnte es gewesen sein…

Kann man zuviel lesen? Eigentlich nicht. Und trotzdem denke ich manchmal, ich habe einfach schon ‚zu viele‘ Bücher ähnlicher Art gelesen. Anders kann ich manchmal die große Diskrepanz nicht erklären, die sich bei Buchmeinungen so ergeben.

Die Geschichte ist gut recherchiert, liebevoll geschrieben, ohne sachliche Fehler, die Sprache entspricht in allen Einzelheiten der damaligen Zeit mit den ganzen feinen Unterscheidungen zwischen Dienerschaft, Herrschaft und Gleichgestellten.

Die Menschen sind ausführlich mit Licht- und Schattenseiten gezeichnet.
Selbst bei Ludwig – dem Gegenspieler in der Geschichte – flackert für kurze Momente der Gedanke auf, dass da noch mehr sein könnte, als in den Worten zu sehen ist. Möglicherweise gibt es noch andere Gründe für sein absolut boshaftes Verhalten. Aber eben nur vielleicht. Und selbst wenn – seine Taten sprechen klar gegen ihn und lassen jeden Leser sofort eine klare Stellung gegen ihn beziehen.

Bruderliebe erzählt die Geschichte der Baroness Theresia von Rotenburg, ihrer Stiefmutter und ihrem heimlichen ‚Prinzen‚, dem Bürgerlichen Sebastian Langenthal.
Theresisa – gerade eben mal 18 Jahre geworden – hat ihr ganzes bisheriges Leben nach dem Tod der eigenen Mutter im Heim ihres Vaters und unter der strengen Aufsicht ihre Stiefmutter geführt und von dem wirklichen Leben vor den Mauern der Burg keinerlei Ahnung.

Bruderliebe

Im Laufe der Handlung wählt sich die wohlbehütete Tochter dann auch eine Wohnstatt in einem Turm, der in das schützende Mauerwerk der väterlichen Burg integriert ist. „Wie könnte es gewesen sein…“ weiterlesen

Mittelalterliche Ermittlungen – in zweifacher Hinsicht

„Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“
Georg Christoph Lichtenberg

Wie sinnvoll ist es, ein Buch zu beschreiben, dass einen nicht wirklich überzeugt hat?

Eine Empfehlung wird nicht ausgesprochen und einen Verriß schreiben ist nicht so einfach. Einmal ist es Ansichtssache und ich bin inzwischen auch schon öfter auf die (durchaus vertretbare) Meinung gestoßen, dass nur über Bücher geschrieben wird, die für gut befunden wurden.
Auf der anderen Seite bin ich inzwischen auch schon des öfteren an Büchern hängengeblieben, über deren Kauf ich mich im Nachhinein geärgert habe. Nicht zuletzt auch wegen dem Geld. Für das ich mir doch lieber ein Buch gekauft hätte, dass mir die erhofften angenehmen Lesestunden gebracht hätte.

Also werde ich – zumindest bis auf Weiteres – auch über Bücher schreiben, die mich nicht überzeugen konnten.

Die HurenköniginDie Hurenkönigin by Ursula Neeb
Flexibler Einband, 400 Seiten
Erschienen 14. September 2012 beim Ullstein Verlag
My rating: 1 of 5 stars

Die Leiterin des Frankfurter Hurenhauses anno 1511 – allgemein als die Hurenkönigin bezeichnet – ermittelt auf eigene Faust über die Morde der ihr anvertrauten Hübschlerinnen. Von der Stadtverwaltung bekommt die Frauenhauswirtin Ursel Zimmer dabei wenig Unterstützung. Was allerdings auch niemanden verwundern dürfte, da die Huren der damaligen Zeit zu den Unehrlichen gehörten und gerade mal in den Stadtmauern als geduldet anzusehen waren.

„Mittelalterliche Ermittlungen – in zweifacher Hinsicht“ weiterlesen

Eine neuzeitliche Suche nach Gold

Rotes GoldRotes Gold by Tom Hillenbrand

Paperback, 340 pages
Published April 19th 2012 by Kiepenheuer & Witsch
My rating: 3 of 5 stars

 

Es gibt viele Gründe, warum eine Buchbesprechung länger dauert als ursprünglich vorgesehen.
Die Ruhe oder die Zeit fehlt.
Die richtigen Worte wollen sich nicht einfinden.

Beides trifft hier zu… Es war keine leichte Entscheidung, was ich über das ‚Rote Gold‘ schreiben möchte.

Tom Hillenbrand’s erstes Buch über Xavier Kieffer war mein erster kulinarischer Krimi überhaupt und hat mich für dieses Genre eingenommen.
Besonders, weil das Grundthema neben dem aufzuklärenden Mord bei mir offene Türen einrennt:

Die Lebensmittelindustrie und was so dem Essen beigemengt sein kann.

Xavier ist ein Verfechter der guten alten Handwerkskunst, kein Anhänger der hochgejubelten Sterneküche, die immer und um jeden Preis up to date sein muss.

Das macht ihn sympathisch.

Und darum geht es auch in dem 2. Kriminalroman mit dem luxemburgischen Koch, um die Feinheiten der gehobenen Küche und den damit verbundenen Ränkespielen.
Kieffer verdankt seiner Freundin Valérie (ihres Zeichens Inhaberin des Restaurantführers Guide Gabin) die Einladung des Pariser Bürgermeisters zu einem sehr speziellen Sushiessen im Musée d’Orsay. Um dann dort auch wieder mit einen unerwarteten Todesfall konfrontiert zu werden: Der Sushimeister Ryuunosuke Mifune – ein überzeugter Anhänger der traditionellen japanischen Kochkunst – verstirbt während der Zubereitung der ausgesuchten Menüfolge plötzlich. Als Diagnose wird ‚Fischvergiftung‘ angegeben.

So weit, so gut. Es nimmt nicht weiter Wunder, dass Xavier schnell über die ersten Widersprüche stolpert und auch auf Drängen des Bürgermeisters über die wahren Hintergründe zu ermitteln beginnt.

„Eine neuzeitliche Suche nach Gold“ weiterlesen

Earth Girl. Die Prüfung

Earth Girl – Die Prüfung von Janet Edwards
Flexibler Einband, 448 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch Verlag, Erstausgabe 01.09.2012
ISBN 9783499259029
4 von 5 Sternen

Jarra gilt als behindert, weil sie zu der Minderheit gehört, die aufgrund eines genetischen Defektes die Portale zu anderen Welten zwar nutzen könnte… aber den Aufenthalt dort nur wenige Minuten überleben würde. Also ist sie zu einem Leben auf der Erde bestimmt, während alle anderen Menschen auf anderen Planeten studieren und leben können. Dieses Leben als Paria lässt die Wut in ihr immer stärker wachsen. Bis sie sich schließlich entschließt, ihr Ziel eines Studiums der Frühgeschichte an einer extraterrestren Universität zu absolvieren.
Und damit zu beweisen, dass die sogenannten ‚Affen‘ genauso gut sind wie die ‚Exos‘.

Mich hat diese Geschichte sofort in den Bann gezogen. Selten, dass ich ein Buch so schnell durchgelesen habe. Und auch eine sehr angenehme Abwechslung zu den ganzen Fantasyromanen mit den standardisierten Protagonisten, die gerade zur Zeit die Vampir- und Dämonenwelt bevölkern. Keine extraterrestren Feinde, die die Menschheit zum Verlassen ihrer Heimatwelt gezwungen haben, sondern eine ‚einfache‘ Entwicklung der Forschung. Und mit Jarra eine Erzählerin, die nicht nur ein ‚makelloses‘ Bild von sich liefert, sondern auch ihren Haß auf die ‚Normalen‘ zeigt und erst nach und nach erkennt, dass es sich dabei um genauso normale Menschen handelt wie sie und ihre Freunde.
Dazu kommt noch die spannende Geschichte um die archäologischen Forschungen, die das Studententeam betreibt und die Hintergründe um die anderen Teams und nicht zuletzt auch dem Militär.

Nur an zwei Punkten kam ich leicht in’s Stutzen und konnte die Handlung nicht völlig nachvollziehen. Was aber nur ein verschwindend geringes Manko ist und ich bin immer noch am Überlegen, ob dieser Roman nicht doch seine fünf Sterne verdient hat. Ich habe auch überlegt, ob ich näher auf diese beiden Punkte eingehen möchte und mich dann dagegen entschieden. Schlußendlich handelt es sich dabei um mein persönliches Empfinden und andere Leser werden dies möglicherweise völlig anders auffassen. Im Fazit ist es ein sehr gut geschriebenes Buch, bei dem die Heldin auch ihre Fehler hat und auch beim großen Showdown am Ende nicht das Gefühl aufkommt, dass sie alles allein bewältigt. Vieles vielleicht, aber eben nicht alles. 😉