Römischer Krimi

Das Farnese-Komplott von Barbara Wenz
Flexibler Einband, 256 Seiten
Erstausgabe : 18.06.2014
Emons Verlag
ISBN: 9783954513130

Name und Coverbild sind vielversprechend. Einmal die geschichtsträchtige Familie Farnese, die schon zu Zeiten der Borgia-Familie für einige Kämpfe innerhalb der römischen Kirche Sorge getragen hat. Dazu noch der Blick von Ferne auf den Petersdom regt die Phantasie an, daß sich hier einige hochgeladene Spannungsmomente erwarten lassen. Ein Eindruck, der sich auch mit dem knallharten Prolog vertieft.

Der Fortgang der Geschehnisse entlockt auch ein Schmunzeln – immerhin hat die Autorin für meine Begriffe einen netten Seitenhieb auf die Historien der römischen Kirche und speziell der Familie Farnese einfallen lassen. Heißt die weibliche Hauptfigur doch mit ungeliebtem Vornamen Lucrezia.

Mit Lucrezia Winter – bevorzugter Name Krista – nimmt die Geschichte auch ihren Anfang. Sie soll die Nachfolge des bekannten Rom-Korrespondenten Manfred Moorstein antreten. Nur – der Mann kann sich augenscheinlich nicht von seinem Posten trennen, den er schon lange Jahre inne hat. Soweit zumindest ihr Eindruck, da jeder Termin zur Amts- und Wohnungsübergabe hinausgezögert wird.

Ein weiterer Versuch, hier die Angelegenheit in geordnete Bahnen zu lenken, lässt Krista in die verwüstete Amtswohnung stolpern. Augenscheinlich wurde etwas gesucht – und Moorstein ist verschwunden. Dafür wird sie mit einem Fausthieb begrüßt und zu Boden geschickt.

Damit hätte dann auch Monsignore Lorenzo Farnese sein Intro bekommen, den eine langjährige Freundschaft mit dem verschwundenen Reporter verbindet.

Soweit war alles in Ordnung. Dann allerdings schleichen sich schon die ersten Wermutstropfen ein. Speziell bei Farnese kommt mir alles etwas ‚zu viel des Guten‘ vor.

Ehemaliger Armeeseelsorger in einem aktuellen Krisengebiet, Überlebender eines Bombenattentags, weswegen er sich jetzt auch in der Vatikanstadt aufhält. Dazu ein Liebhaber der Gourmetküche, der seinen Espresso selber kocht und sich auch bei den verschiedensten Whiskysorten gut auskennt. Bei dem speziellen familiären Hintergrund kann man zwar einiges über das normale Maß hinaus akzeptieren. Trotzdem bekomme ich den Eindruck nicht los, dass Lorenzo Farnese leicht überzeichnet wirkt. Dazu die angedeutete Liebesgeschichte zu Krista, die sich wie ein störender Punkt im Hintergrund nicht ausblenden lassen will. Ganz speziell in dem Hinblick, daß es sich um einen Geistlichen in der Hochburg des christlichen Glaubens handelt. Ein Punkt, der für den Ablauf der Geschichte nicht zwingend nötig gewesen wäre und auch nicht den nötigen Raum bekommt, um nur halbwegs glaubwürdig zu scheinen.

Es ist schade, dass anscheinend immer wieder eine Liebessequenz in Bücher mit eingeflochten werden muss. Ganz egal, wie wenig es zu der eigentlichen Geschichte paßt. Ich hätte es schöner gefunden, wenn es statt der unterschwelligen Lovestory mehr Platz für die eigentliche Erzählung gegeben hätte.

Zurück zur eigentlichen Geschichte kommt auch recht bald heraus, daß Moorstein ermordet wurde. Unfall mit Fahrerflucht. Für die zuständige Polizeibehörde steht auch recht schnell fest, wer dahintersteckt. Krista und Lorenzo vertreten andere Meinungen. Nur finden sie kein Gehör und ermitteln daher auf eigene Faust.

Paralell dazu beginnt in Rückblicken bis zu den frühesten Anfängen des Christentums die Erzählung um die Vera Ikona – das umstrittene wahre Bildnis von Christus auf einem Leinenschleier. Hier wird es dann wirklich spannend. Sehr plastisch bringt einen die Autorin in den Sequenzen bis zurück in das Jahr 33. n.Chr. Lebendig und von Angesicht zu Angesicht kann man einige Etappen dieser wichtigsten Reliquie der jungen Kirche verfolgen. Bis hin zu der Zeit von Papst Clemens VII und der Sacco di Roma (Plünderung von Rom) 1527. Damit verliert sich die Geschichte des Tuches.

Danach dreht sich alles nur noch um die Suche nach Moorstein’s Mörder. Und gerade zum Ende hin geht alles sehr schnell. Zu schnell für meinen Geschmack. Krista macht einen nicht nachvollziehbaren Alleingang, der für sie auch nur sehr glimpflich ausgeht und gerade Monsignore Farnese ist es, der letztendlich den Mörder zu Fall bringt. Der auch nur im weitesten Sinne und vor allem in seiner eigenen verqueren Denkweise eine Verbindung zur Familie Farnese hat. Die Familie selber würde es mit ziemlicher Sicherheit anders sehen.

Dazu kommt noch, daß gerade die sehr vorrangig beschriebene Reliquie gestohlen wird und auch verschwunden bleibt! Kein weiteres Wort, wohin die Vera Ikona gegangen ist. Sie ist verschwunden und basta!

Im Fazit bleibe ich mit zu vielen ungeklärten Fragen zurück und hätte dem Buch mind. noch weitere 100 Seiten zugesprochen, damit die Aufklärung des Falles nicht derart über’s Knie gebrochen werden musste. Dann wäre evtl. auch noch Platz gewesen, um die Fragen um den Verbleib des Tuches und einen offensichtlich bedeutsamen Traum Krista’s abzuklären.

So wie es jetzt dasteht, ist es eine gute Grundidee die allerdings wesentlich mehr Platz gebraucht hätte. Selbst wenn es wirklich eine Fortsetzung geben sollte, bleibt das Buch für sich allein unbefriedigend.

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3 Kommentare zu „Römischer Krimi

  1. Hey 🙂

    Der Stoff, wie du ihn beschreibst, klingt schon interessant! Allerdings sind knapp 250 Seiten natürlich kein großer Umfang, das stimmt. So ganz verstehe ich allerdings nicht, warum die Geschichte des Tuchs so ausführlich beschrieben wird? Ist das notwendig?

    Liebe Grüße
    Ascari

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