Jetzt auch noch Reisen

Der letzte Bärlauch-Beitrag muss sich noch etwas gedulden. Neben der Verblüffung, wie viel sich zu erzählen findet, haben Reisevorbereitungen einiges an Zeit in Anspruch genommen. Heraus gekommen ist dabei ein 5-Tages-Trip nach Barcelona.

Ursprünglich war es ein schon länger geplanter Ausflug nach Sevilla, verschuldet durch den Turm der Könige. Erst in fast letzer Minute hat sich Barcelona in den Vordergrund geschoben und uns alle ordentlich in Atem gehalten.

Die Unterkunft war über Wimdu gefunden und spartanisch eingerichtet. Dafür direkt im Brennpunkt des Geschehens an der Rambla del Raval, weswegen auch keine Zeit war, irgendetwas zu vermissen. Tagsüber gab es soviel zu entdecken und auch nachts steppte der Bär. Wollten die Füße partout nicht mehr weiter, konnte man auf dem Balkon das aufkommende Nachtleben beobachten.

Früher (auch heute noch?) hieß das Viertel Barri Xino, das chinesische Viertel. Der Name gründet sich auf den Vergleich Anfang des 20. Jahrhunderts mit den amerikanischen Chinatowns.

In den Seitengässchen abseits der Touristenpfade finden sich mit fortschreitender Stunde immer noch Prostituierte und nach Dunkelheit sollte man zumindest dort nicht allein sein Glück versuchen. Ein Blick in eine komplett andere Welt, die sich auch nur schwer wiedergeben lässt. Man müsste es selber gesehen haben.

Auch in Nähe unserer Haustür fand sich Mercat de la Boqueria. Fotos habe ich mir geschenkt. Es haben sich schon genügend Touristen durch die Markthallen geschoben, die alles geknipst haben wie die Wilden. Wenn man mal kein deutsch/französisch/englisch etc. gehört hat, fiel es schon auf. Ähnlich wie das ausufernde Angebot an Fastfood to go für Touristen – Kokosstückchen im Plastikbecher, eingeschweißte halbe Drachenfrüchte mit Plastiklöffel, frisch gepresste Fruchtsäfte, natürlich ebenfalls im Plastikbecher. Fünf oder sechs eingeschweißte Scheibchen Salami oder Schinken. In Folien, die locker für die dreifache Menge Platz geboten hätte. Alles für einen Euro und die Abfalltonnen sind übergequollen.

Auf der anderen Seite habe ich viel Neues entdeckt:
Wagyu (Kobe) für wahnsinnige 220 Euro/kg (hier juckte es doch für eine fotographische Dokumentation), schwarze Emu-Eier, Straußeneier, Gänse-/Enteneier, Stabmuscheln, Früchte aus Indochina, Anchovis, Aioli, schwarzes Hawaii-Salz. Bei einigen Dingen hat es schon in den Fingern gejuckt, es auszuprobieren. Und mit ein bischen Suchen finden sich auch Lebensmittel, bei denen die Preise nicht so astronomisch sind.

Irgendwann hat man sich einfach sattgesehen und es ist alles viel zu eng, zu viele Menschen in den engen Gassen. Die kleinen Mercados (Märkte) sind mir wesentlich lieber. Es gibt für alles einen Laden und die meisten sind gerade einmal 1/4 von den Riesenläden in Germany. Kaufen kann man trotzdem alles. Es gibt richtige Schlachtereien – auch solche, die ihr Fleisch nach islamischem Ritus schlachten. Gemüse- und Obstläden, von Pakistanern geführt. Kleine Barbierläden neben Tatoo-Shops, kleine Cafe’s, wenn die Füße dringend eine Pause brauchen. Der totale Flash an Eindrücken.

 photo 200232fb-2479-4d65-a1b8-ba52a1a52bc1_zpsfprsubqd.jpg

Schmale Straßen, gerade breit genug zum Laufen und für ein Auto. Dafür überall Mopeds, Räder, Motorräder, Skates und Boards. Und Taxis! Neben den Mossos d’Esquadra und der Guardia Urbania der meistgesehene Wagentyp.

Die Balkons sind auch dermaßen schmal. Zwei Campingstühle, mehr Platz findet sich beim besten Willen nicht. Dafür halten die Balkons als Lagerplatz für alles mögliche her – z.B. 8 l-Wasserflaschen, Fahrräder. Manche Balkons sind dermaßen mit Pflanzen überwuchert, dass die Geländer komplett verschwunden sind. Und darunter tobt das Leben. Hier laufen Inder, Pakistaner, Schwarze, Araber in landesüblicher Tracht und kein Hahn kräht danach. Frauen und Kinder verschleiert (oder eben auch nicht) oder mit Kopftuch je nach eigener Sitte gebunden (Männer übrigens auch), in jedem Alter und in jeder Farbe. Von wegen, Schleier usw. müssen immer schwarz sein. Tschador’s habe ich kaum gesehen. Von ganz arm bis unglaublich schön gibt es alles zu sehen. Bestimmt auch üppig reich, aber dazu langte die Zeit nicht.

Ein kleiner Einblick in das Kulturelle gab das Opernhaus Gran Teatre del Liceu. Così fan tutte stand auf dem Abendprogramm, das Publikum Schlange und in der Seitengasse der Live-Übertragungswagen. 😉

 photo neues20teilchen20827_zpshoaubekb.jpg

Für den Park Güell nimmt man sich am Besten zwei Tage Zeit, sucht einen nicht zu warmen Tag aus (wir hatten 30° C) und nimmt ausreichend Wasser mit. Der innere Park mit den Gebäuden langt für sich allein schon, um sich satt zu sehen. Der äußere kostenlose Bereich wäre besser für eine ausgiebige Siesta mit Picknick. Man schnappt sich einen Korb und verbummelt den Tag.

 photo ef2e75bf-2a4f-4e53-a5b6-23ae4aedaab9_zpsqv43psx8.jpg

Und was die Sagrada Familia angeht: Auf keinen Fall an einem Feiertag oder am Wochenende. Gott und die Welt rennt hin und mit etwas Pech kommt man nicht mehr rein. 😉 Ansonsten wäre es sicher auch von Innen reizvoll gewesen.

Meine persönlichen Highlights sind die kleinen Tapas-Bars und Café’s abseits der Touristenpfade. Wenn die Katalanen etwas können, dann Kaffee kochen. „Un Café con Leche.“ Der wichtigste Satz der letzten Tage. 😉 Neben der Frage „Quanda costa? Die grundlegenden Worte lassen sich schnell lernen und die Leute vor Ort übersetzen auch gern aus dem Englischen. Man muss nur fragen. Zugegeben, bei der Verweigerung der allgemein verbreiteten Plastiktaschen blieb es beim Englischen. 😉

Einen besonders schönen Blick über die Stadt hat man von der Dachterasse vom Hotel Catalunya am Plaça Espanya. Völlig unerwartet, kann man auch als ‚Nicht-Gast‘ problemlos dorthin und den sagenhaften Ausblick genießen.

Für ein paar Euro kann man den hoteleigenen Pool benutzen. Auch so eine Sache, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Fragen lohnt sich eben doch immer.

Pläne für’s nächste Mal:
Palau Güell
Museu Maritim, das Schiffahrtsmuseum
L’Aquàrium – meereskundliches Museum

Advertisements

5 Kommentare zu „Jetzt auch noch Reisen

Deine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s